Grußworte

Zur diesjährigen Interdisziplinären Tagung hielten Carolina Trautner, die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Prof. Dr. Frank Fischer, Vorsitzender des JFF – Jugend Film Fernsehen e. V. die Grußworte. … Weiterlesen

Eine Sammlung spannender digitaler Erinnerungsprojekte

Wir haben im Vorfeld der Tagung gelungene Beispiele für das Erinnern mit digitalen Medien gesammelt. Herausgekommen ist eine beachtliche Sammlung mit sehr spannenden Beispielen. Falls Sie weitere Beispiele zur Thematik kennen, die hier fehlen, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht. Wir ergänzen diese Liste gerne stetig weiter.

ErinnerungszeitName mit LinkBeschreibung
Geschichte vor 1933Ich, Eisner
Hier kommt Alex
NationalsozialismusDeinLife ErinnerungszeichenJugendredaktion des MZM filmt Anbringung von Erinnerungszeichen in der Stadt
Uploading HolocaustDas Webprojekt #uploading_holocaust ist auch für den Einsatz in Gruppen, z.B. Schulklassen oder Workshops, optimiert
Die BefreiungAudiovisueller Rundgang KZ Dachau
Through the darkest of timesStrategiespiel über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus
YolocaustHinterfragt Erinnerungskultur mit der Kombination von Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern
Sachor jetztHolocaust-Snapchat-Projekt
Anne Frank House VRVirtual Reality Rundgang durch das Anne Frank-Haus 
histoPOD: Commemorating the HolocaustPodcast
Zeitgeschichte nach 1945Digitaler Blick ins Ost-Berlin der 80er-Jahre (AR)
Das mediale Erbe der DDR
Rebuilding Notre DameOculus Quest-Anwendung
When we stayed homeLeere Plätze während Corona-Lockdown (Oculus Quest)
Berliner Mauer in ARMauAR iPad only | Berliner Mauer in AR 
Erinnern in der ZukunftDie digitale Seele. Unsterblich durch Künstliche Intelligenz?Buchvorstellung

Teaservideo

Eine Tagung, die Sie sicher nicht vergessen werden. Das Projektteam der Interdisziplinären Tagung des JFF – Institut für Medienpädagogik gibt in einem kurzweiligen Teaservideo einen Einblick in die diesjährige Thematik der Tagung.

Prof. Dr. Martin Korte: Erinnern und Vergessen in digitalen Medien: Warum Vergessen wichtig für das Erinnern ist.

“Vergessen gilt vielen als Fehlleistung des Gehirns. Dabei ist es ein wichtiger und unterschätzter Prozess. Ohne ihn könnten wir nicht abstrakt denken. Vergessen ist also nicht immer ein Fehler des Gedächtnisses, sondern oft auch ein wichtiger und aktiver Prozess. Nur wer vergisst, kann Unwichtiges von Wichtigem trennen, abstrakt denken und Probleme lösen. Darüber hinaus hilft es beim Erinnern. Der zelluläre Mechanismus des Vergessens, die Langzeitdepression, ähnelt dem des Lernens und findet an denselben Synapsen statt. Es ist dabei aber unklar, ob wir Inhalte tatsächlich löschen oder der Zugang zu ihnen nur schwieriger wird. Unsere Erinnerungen ändern sich mit jedem Abruf. Wie verhalten sich diese Gehirnmechanismen des Filters und Vergessens zur Arbeit mit digitalen Medien?”

Prof. Dr. Martin Korte, TU Braunschweig, Abt. Zelluläre Neurobiologie

Jahrgang 1964, ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und Direktor des Zoologischen Institutes, und war 2010-2012 Vizepräsident der TU Braunschweig. Er studierte Biologie (Diplom) in Münster, Tübingen und an den National Institutes of Health, Bethesda, Maryland, USA, arbeitete für viele Jahre an den Max-Planck-Instituten für Hirnforschung (Frankfurt) und Neurobiologie (München-Martinsried) und habilitierte 2001 an der LMU München. Martin Korte erforscht die zellulären Grundlagen von Lernen und Gedächtnis, ebenso wie die Vorgänge des Vergessens. Er ist einer der meistzitierten deutschen zellulären Neurobiologen. 

Herr Korte ist bekannt durch eine Reihe von Fernsehauftritten (ARD (Der klügste Deutsche, 2011, Deutschlands größter Gedächtnistest, 2009/2010); Schweizer Fernsehen (Sternstunde Philosophie), RTL (Stern-TV/Schlauer als Günter Jauch, er ist Buchautor (Hirngeflüster: Wie wir lernen, unser Gedächtnis effektiv zu trainieren, Europa-Verlag,; „Jung im Kopf: Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden“ und “Wir sind Gedächtnis: Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind.”) 

Er hält jährlich neben seinen wissenschaftlichen Vorträgen eine Vielzahl öffentlicher Vorträge vor Schuldirektoren, Lehrern, Eltern, Schülern, oder Politikern. Als wissenschaftlicher Berater von mehr als einem halben Dutzend Büchern und Gründungsmitglied der Jungen Akademie, die an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und an der Leopoldina zu Halle angesiedelt ist, ist er einer der ausgewiesensten Lernforscher in Deutschland. 

Prof. Korte ist u.a. für diese Tätigkeiten des „Public Unterstanding of Science“ mit dem „Karl Heinz Beckhurtz Preis“ ausgezeichnet worden. Er ist darüber hinaus Mitglied der BBAW. 2015 erhielt für seine innovative Lehre den Fakultätenpreis des Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft.

Dr. Vivien Sommer: (Post)Digitale Erinnerungsräume: Transformation von Erinnerungskultur und Identität

“Das private und das öffentliche Erinnern an die Vergangenheit geschieht mehr denn je in und über soziale Medien. So versammeln sich etwa unter den Hashtags  #niewieder, #Auschwitz75 oder auch #WeRemember, um nur einige wenige zu nennen, unterschiedlichste mediale Angebote auf den verschiedenen sozialen Plattformen wie YouTube, Twitter, Instagram und Facebook, um an den Holocaust zu erinnern. Erinnern im Zusammenhang mit digitalen Medien kann dabei als mediatisiertes Erinnern beschrieben werden. Mit dem Konzept postdigitaler Erinnerungsräume nähere ich mich in meinem Vortrag der Frage nach dem Wandel von Erinnern und Vergessen. So gehe ich davon aus, dass Erinnern im postdigitalen Zeitalter nicht nur eine Transformation durchläuft, sondern an vorherige mediatisierte Erinnerungspraktiken anschließt. Aufbauend darauf illustriere ich an konkreten Beispielen, dass durch eine Digitalisierung von Erinnerungskulturen sich nicht ausschließlich ein Wandel, sondern auch ein Sichtbarmachen von fluiden Prozessen des Erinnerns jenseits analytischer Grenzziehungen vollzieht – wie zum Beispiel zwischen einem privaten Familiengedächtnis und einem offiziellen kollektiven Gedächtnis etwa einer staatlichen Gemeinschaft. Was das genau bedeutet, welche möglichen Transformationsprozesse damit einher gehen und welche Auswirkungen diese auf die Identität von Erinnerungsgemeinschaften haben, steht im Zentrum meines Vortrags.”

Dr. Vivien Sommer, Soziologin, TU Berlin

Dr. Vivien Sommer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin und forscht derzeit über die diskursive Konstituierung und Legitimierung von Planungswissen am Beispiel der IBA Basel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Raumsoziologie, Qualitative Methoden, Diskurstheorie und -analyse, Mediensoziologie und Erinnerungs- und Gedächtnissoziologie. Vivien Sommer hat an der Freien Universität Berlin Soziologie, Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Sie promovierte an der Technischen Universität Chemnitz mit einer mediensoziologischen Studie zum Thema „Erinnern im Internet. Der Online-Diskurs um John Demjanjuk“.  

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Dr. Michaela Kramer: In Erinnerungen scrollen – Zur Erinnerungsarbeit in sozialen Medien als Teil jugendlicher Identitätsentwicklung.

“Das Verhältnis von Fotografie und Erinnerung wird gemeinhin als ein Festhalten vergänglicher Momente diskutiert. Die damit vorausgesetzte Objektivität beider Praxen täuscht jedoch darüber hinweg, dass zum einen fotografische Bilder Wirklichkeit nicht unmittelbar widerspiegeln und zum anderen Erinnerung ein komplexer Prozess ist, der sich in jeder Rezeptionssituation unterschiedlich gestalten kann. Einen spezifischen Wandel erfuhren fotoindizierte Erinnerungspraktiken durch die Verbreitung von Smartphones und Social Media Apps. So hat durch die Veralltäglichung der Fotografie ein rasanter Anstieg der entstehenden Bildmengen stattgefunden, die zur erneuten Reflexion genutzt werden können. Hinzu kommen plattformseitig eingeschriebene Möglichkeiten und Begrenzungen des individuellen Bildgebrauchs, die nun veränderte Erinnerungs- und Biografisierungsoptionen bieten. Anschließend an die Präsentation einer empirischen Studie zur Relevanz aktueller Fotopraktiken Jugendlicher für ihre alltägliche Identiätsarbeit diskutiert der Vortrag die Konzepte visueller Kompe­tenz und Biografizität als mögliche Ansatzpunkte der medienpädago­gischen Arbeit.”

Dr. Michaela Kramer, Erziehungswissenschaftlerin, FAU Erlangen-Nürnberg

Michaela Kramer arbeitet am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor war sie am Arbeitsbereich Medienpädagogik der Universität Hamburg tätig. Dort sowie an der Leuphana Universität Lüneburg studierte sie Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Im Jahr 2020 schloss sie ihre Promotion über Smartphone-Fotografie in der Adoleszenz ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mediensozialisations- und Identitätsforschung sowie visuelle Forschungsmethoden. 

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Prof. Dr. Stefan Selke: Das beste aller Leben? Künstliche Intelligenz als Kurator menschlicher Erinnerung

“Wie verändern sich individuelle Erinnerung und kollektive Erinnerungskultur, wenn Erinnerungsdaten mittels künstlicher Intelligenz sortiert, selektiert, analysiert und präsentiert werden? Der Vortrag geht der Frage nach den Funktionsweisen und Wirkungen neuartiger kuratierender Erinnerungssysteme nach. Interaktive Erinnerungs-Avatare bieten die Möglichkeit, menschliche Erinnerungsfähigkeit zu überformen, Gedächtnisleistungen auszulagern und die eigene Lebensführung zu optimieren. Aus umsortierbaren Datenfragmenten wird so eine Lebensgeschichte, bei der Algorithmen auswählen, was bedeutungsvoll ist. KI-gestützte Erinnerungssysteme greifen dabei tief in das Beziehungsgeflecht von Menschen ein, sie verändern Prozesse der Biografisierung, des Andenkens sowie der Seelsorge. Je marktförmiger diese Angebote ausgestaltet werden, desto mehr ist nach den langfristigen Folgen und Kosten dieser Systeme zu fragen. Die Nutzung kuratierender Erinnerungssysteme geht einerseits mit der Zunahme an Handlungsoptionen einher, andererseits aber auch mit der Externalisierung von Autonomie an technische Systeme. Wird vor diesem Hintergrund das beste aller Leben das von KI editierte Leben sein?”

Prof. Dr. Selke, Professur für „Soziologie und gesellschaftlichen Wandel“ sowie Forschunggsprofessur „Transformative und öffentliche Wissenschaft.”

Prof. Dr. Stefan Selke lehrt Soziologie und gesellschaftlichen Wandel an der Hochschule Furtwangen. Er ist Forschungsprofessor für „Transformative und öffentliche Wissenschaft“ sowie Visiting Professor an der University of Huddersfield (UK). Selke studierte Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte dann in Soziologie. Im Auftrag von Bundes- und Landesministerien leitet er gegenwärtig drei Forschungsprojekte zum digitalen Wandel. Als disziplinärer Grenzgänger ist Selke als Redner, Buchautor und Blogger sowie Interview- und Gesprächspartner der Medien auch außerhalb der Wissenschaft präsent. Selke versteht sich als öffentlicher Soziologe, der Positionen zu gesellschaftlich umstrittenen Themen entwickelt. Neben Digitalisierung sind seine Forschungsthemen soziale Utopien sowie Weltraumexploration.

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