Save the date: 26. November! KREATIVITÄT! Kraftwerk für alle?

Was ist Kreativität und wie kann sie gefördert werden? Will und soll jede*r kreativ sein? Welche Chancen und Herausforderungen stecken in diesem Kreativitätsideal? Und fördern oder beschränken digitale Medien Kreativität?

Am 26. November beleuchtet die 17. Interdisziplinäre Tagung des JFF das Thema Kreativität von verschiedenen Seiten und bietet in vertiefenden Sessions Inspiration für kreatives Arbeiten und Forschen mit und über Medien. Sie werden die Möglichkeit haben, die Vorträge und Diskussionen online via Live-Stream zu verfolgen. Für den Nachmittag können Sie eine kostenfreie Online-Session buchen. 

Wir würden uns sehr freuen, Sie im Herbst online bei der #idt21 begrüßen zu dürfen! 

Weitere Informationen folgen zeitnah! Eine Anmeldung ist noch nicht möglich.

-> Abstract zum Download

Um was wird es gehen?

Etwas Neues und/oder Anderes zu erschaffen ist das wesentliche Merkmal von Kreativität. Dass dieser schöpferische Akt nicht nur Göttern vorbehalten ist, sondern es sich bei Kreativität um eine grundlegende Fähigkeit von Menschen handelt, ist erst seit dem 17. Jahrhundert eine gängige Vorstellung. Während Kreativität bis in die 1970er Jahre vor allem mit Künstler*innen und anderen „Genies“ verbunden wurde, ist sie zuletzt zu einem Ideal und einer stetigen Aufforderung zum Schaffen von Neuem, dem Kreieren von Problemlösungsstrategien und letztlich dem Gestalten des Individuums selbst geworden. Menschen wollen und sollen kreativ sein. Der subjektive Wunsch und die soziale Erwartung „Sei kreativ!“ sind nicht nur in der Arbeitswelt präsent, sondern in alle Lebensbereiche diffundiert. Verschiedenste gesellschaftliche Sektoren und ihre Praktiken – von der Erziehung bis zum Konsum, vom Sport bis zum Beruf – werden dem Kreativitätsideal entsprechend umgeformt. Sich selbst zu verwirklichen und kreativ in Schule, Beruf oder Privatleben mit Herausforderungen umzugehen – oftmals verbunden mit dem Einsatz neuer Technologien und digitaler Medien – ist zu einer gesellschaftlichen Erwartung geworden, welche nicht losgelöst von Verwertungslogiken, Konsumkultur, Kreativitätsindustrie und dem Ideal der Produktivität und Selbstoptimierung betrachtet werden kann.

Dieses Kreativitätsideal fordert auch die Medienpädagogik heraus. Kreativität ist in einschlägigen Definitionen von Medienkompetenz fest verankert. Zudem stellen medienpädagogische Projekte oftmals den kreativen Aspekt in den Vordergrund: „Make, Create & Play!“. Bei der kreativen Arbeit mit Medien sollen Kinder und Jugendliche von Konsument*innen zu Produzent*innen werden und sich als aktive Akteur*innen der Gesellschaft erleben. Kreativität kann sich dabei in Arbeitsweisen entfalten und in Zielen zeigen. Doch wenn Kreativität zur Anforderung an Individuen wird, deren Nicht-Erfüllen zu einem sozialen Ausschluss führt, wenn Kreativität vor allem als Leistung wahrgenommen wird, die messbar ist und nach Anerkennung und Publikum verlangt, kann das problematisch sein. So stellen sich folgende Fragen, die interdisziplinär bearbeitet und diskutiert werden sollten:

  • Welche (normativen) Vorstellungen werden mit dem Begriff Kreativität verbunden?
  • Wie kann Kreativität gefördert werden?
  • Welche Voraussetzungen braucht kreatives Handeln?
  • Welche Rolle haben (digitale)Medien, wenn es darum geht kreativ zu sein und Kreativität zu fördern? Inwiefern unterscheiden sich diesbezüglich unterschiedliche (digitale) Medien?
  • Inwiefern grenzen digitale Medien Kreativität ein bzw. begrenzen individuelles kreatives Handeln?
  • Welche Chancen und Herausforderungen beinhaltet das Kreativitätsideal? Welche Rolle spielen dabei digitale Medien?
  • Wie kann mit dem Kreativitätsideal (gesellschaftlich und in pädagogischen Settings) umgegangen werden?

Die 17. Interdisziplinäre Tagung beleuchtet vor diesem Hintergrund das Thema Kreativität von verschiedenen Seiten und bietet in vertiefenden Sessions Inspiration für kreatives Arbeiten und Forschen mit und über Medien.

Erläuterung des Titels mit der Metapher „Kraftwerk“

Im Titel spiegelt sich das skizzierte Kreativitätsideal wider. Die im Ideal immanente Aufforderung kreativ zu sein, wird zum einen mit dem Ausrufezeichen angedeutet. Zum anderen steht auch das Bild des Kraftwerks für diese Aufforderung, die nicht losgelöst von Verwertungslogiken, Konsumkultur, Kreativitätsindustrie und dem Ideal der Produktivität und Selbstoptimierung betrachtet werden kann. Zugleich eröffnet das Bild des Kraftwerks, insbesondere in der Zusammenschau der gestalterischen Elemente (Windrad und Federn), den Blick auf die positive, Selbstbestimmung und Gemeinwohlorientierung fördernde Kraft, die dem kreativen Handeln innewohnt. So kann Kreativität auch nachhaltige Energie und Ressource für emanzipatorisches Medienhandeln und Teilhabe sein. Des Weiteren steht das Bild des Kraftwerks für die Moderne, in der der Menschen als handelndes Subjektin den Mittelpunkt gerückt ist.

Grußworte

Zur diesjährigen Interdisziplinären Tagung hielten Carolina Trautner, die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Prof. Dr. Frank Fischer, Vorsitzender des JFF – Jugend Film Fernsehen e. V. die Grußworte. … Weiterlesen

Eine Sammlung spannender digitaler Erinnerungsprojekte

Wir haben im Vorfeld der Tagung gelungene Beispiele für das Erinnern mit digitalen Medien gesammelt. Herausgekommen ist eine beachtliche Sammlung mit sehr spannenden Beispielen. Falls Sie weitere Beispiele zur Thematik kennen, die hier fehlen, freuen wir uns sehr über Ihre Nachricht. Wir ergänzen diese Liste gerne stetig weiter.

ErinnerungszeitName mit LinkBeschreibung
Geschichte vor 1933Ich, Eisner
Hier kommt Alex
NationalsozialismusDeinLife ErinnerungszeichenJugendredaktion des MZM filmt Anbringung von Erinnerungszeichen in der Stadt
Uploading HolocaustDas Webprojekt #uploading_holocaust ist auch für den Einsatz in Gruppen, z.B. Schulklassen oder Workshops, optimiert
Die BefreiungAudiovisueller Rundgang KZ Dachau
Through the darkest of timesStrategiespiel über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus
YolocaustHinterfragt Erinnerungskultur mit der Kombination von Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus Vernichtungslagern
Sachor jetztHolocaust-Snapchat-Projekt
Anne Frank House VRVirtual Reality Rundgang durch das Anne Frank-Haus 
histoPOD: Commemorating the HolocaustPodcast
Zeitgeschichte nach 1945Digitaler Blick ins Ost-Berlin der 80er-Jahre (AR)
Das mediale Erbe der DDR
Rebuilding Notre DameOculus Quest-Anwendung
When we stayed homeLeere Plätze während Corona-Lockdown (Oculus Quest)
Berliner Mauer in ARMauAR iPad only | Berliner Mauer in AR 
Erinnern in der ZukunftDie digitale Seele. Unsterblich durch Künstliche Intelligenz?Buchvorstellung

Teaservideo

Eine Tagung, die Sie sicher nicht vergessen werden. Das Projektteam der Interdisziplinären Tagung des JFF – Institut für Medienpädagogik gibt in einem kurzweiligen Teaservideo einen Einblick in die diesjährige Thematik der Tagung.

YouTube

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Prof. Dr. Martin Korte: Erinnern und Vergessen in digitalen Medien: Warum Vergessen wichtig für das Erinnern ist.

“Vergessen gilt vielen als Fehlleistung des Gehirns. Dabei ist es ein wichtiger und unterschätzter Prozess. Ohne ihn könnten wir nicht abstrakt denken. Vergessen ist also nicht immer ein Fehler des Gedächtnisses, sondern oft auch ein wichtiger und aktiver Prozess. Nur wer vergisst, kann Unwichtiges von Wichtigem trennen, abstrakt denken und Probleme lösen. Darüber hinaus hilft es beim Erinnern. Der zelluläre Mechanismus des Vergessens, die Langzeitdepression, ähnelt dem des Lernens und findet an denselben Synapsen statt. Es ist dabei aber unklar, ob wir Inhalte tatsächlich löschen oder der Zugang zu ihnen nur schwieriger wird. Unsere Erinnerungen ändern sich mit jedem Abruf. Wie verhalten sich diese Gehirnmechanismen des modafinil kopen Filters und Vergessens zur Arbeit mit digitalen Medien?”

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Prof. Dr. Martin Korte, TU Braunschweig, Abt. Zelluläre Neurobiologie

Jahrgang 1964, ist Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig und Direktor des Zoologischen Institutes, und war 2010-2012 Vizepräsident der TU Braunschweig. Er studierte Biologie (Diplom) in Münster, Tübingen und an den National Institutes of Health, Bethesda, Maryland, USA, arbeitete für viele Jahre an den Max-Planck-Instituten für Hirnforschung (Frankfurt) und Neurobiologie (München-Martinsried) und habilitierte 2001 an der LMU München. Martin Korte erforscht die zellulären Grundlagen von Lernen und Gedächtnis, ebenso wie die Vorgänge des Vergessens. Er ist einer der meistzitierten deutschen zellulären Neurobiologen. 

Herr Korte ist bekannt durch eine Reihe von Fernsehauftritten (ARD (Der klügste Deutsche, 2011, Deutschlands größter Gedächtnistest, 2009/2010); Schweizer Fernsehen (Sternstunde Philosophie), RTL (Stern-TV/Schlauer als Günter Jauch, er ist Buchautor (Hirngeflüster: Wie wir lernen, unser Gedächtnis effektiv zu trainieren, Europa-Verlag,; „Jung im Kopf: Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden“ und “Wir sind Gedächtnis: Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind.”) 

Er hält jährlich neben seinen wissenschaftlichen Vorträgen eine Vielzahl öffentlicher Vorträge vor Schuldirektoren, Lehrern, Eltern, Schülern, oder Politikern. Als wissenschaftlicher Berater von mehr als einem halben Dutzend Büchern und Gründungsmitglied der Jungen Akademie, die an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und an der Leopoldina zu Halle angesiedelt ist, ist er einer der ausgewiesensten Lernforscher in Deutschland. 

Prof. Korte ist u.a. für diese Tätigkeiten des „Public Unterstanding of Science“ mit dem „Karl Heinz Beckhurtz Preis“ ausgezeichnet worden. Er ist darüber hinaus Mitglied der BBAW. 2015 erhielt für seine innovative Lehre den Fakultätenpreis des Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft.

Dr. Vivien Sommer: (Post)Digitale Erinnerungsräume: Transformation von Erinnerungskultur und Identität

“Das private und das öffentliche Erinnern an die Vergangenheit geschieht mehr denn je in und über soziale Medien. So versammeln sich etwa unter den Hashtags  #niewieder, #Auschwitz75 oder auch #WeRemember, um nur einige wenige zu nennen, unterschiedlichste mediale Angebote auf den verschiedenen sozialen Plattformen wie YouTube, Twitter, Instagram und Facebook, um an den Holocaust zu erinnern. Erinnern im Zusammenhang mit digitalen Medien kann dabei als mediatisiertes Erinnern beschrieben werden. Mit dem Konzept postdigitaler Erinnerungsräume nähere ich mich in meinem Vortrag der Frage nach dem Wandel von Erinnern und Vergessen. So gehe ich davon aus, dass Erinnern im postdigitalen Zeitalter nicht nur eine Transformation durchläuft, sondern an vorherige mediatisierte Erinnerungspraktiken anschließt. Aufbauend darauf illustriere ich an konkreten Beispielen, dass durch eine Digitalisierung von Erinnerungskulturen sich nicht ausschließlich ein Wandel, sondern auch ein Sichtbarmachen von fluiden Prozessen des Erinnerns jenseits analytischer Grenzziehungen vollzieht – wie zum Beispiel zwischen einem privaten Familiengedächtnis und einem offiziellen kollektiven Gedächtnis etwa einer staatlichen Gemeinschaft. Was das genau bedeutet, welche möglichen Transformationsprozesse damit einher gehen und welche Auswirkungen diese auf die Identität von Erinnerungsgemeinschaften haben, steht im Zentrum meines Vortrags.”

Dr. Vivien Sommer, Soziologin, TU Berlin

Dr. Vivien Sommer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin und forscht derzeit über die diskursive Konstituierung und Legitimierung von Planungswissen am Beispiel der IBA Basel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Raumsoziologie, Qualitative Methoden, Diskurstheorie und -analyse, Mediensoziologie und Erinnerungs- und Gedächtnissoziologie. Vivien Sommer hat an der Freien Universität Berlin Soziologie, Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Sie promovierte an der Technischen Universität Chemnitz mit einer mediensoziologischen Studie zum Thema „Erinnern im Internet. Der Online-Diskurs um John Demjanjuk“.  

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Dr. Michaela Kramer: In Erinnerungen scrollen – Zur Erinnerungsarbeit in sozialen Medien als Teil jugendlicher Identitätsentwicklung.

“Das Verhältnis von Fotografie und Erinnerung wird gemeinhin als ein Festhalten vergänglicher Momente diskutiert. Die damit vorausgesetzte Objektivität beider Praxen täuscht jedoch darüber hinweg, dass zum einen fotografische Bilder Wirklichkeit nicht unmittelbar widerspiegeln und zum anderen Erinnerung ein komplexer Prozess ist, der sich in jeder Rezeptionssituation unterschiedlich gestalten kann. Einen spezifischen Wandel erfuhren fotoindizierte Erinnerungspraktiken durch die Verbreitung von Smartphones und Social Media Apps. So hat durch die Veralltäglichung der Fotografie ein rasanter Anstieg der entstehenden Bildmengen stattgefunden, die zur erneuten Reflexion genutzt werden können. Hinzu kommen plattformseitig eingeschriebene Möglichkeiten und Begrenzungen des individuellen Bildgebrauchs, die nun veränderte Erinnerungs- und Biografisierungsoptionen bieten. Anschließend an die Präsentation einer empirischen Studie zur Relevanz aktueller Fotopraktiken Jugendlicher für ihre alltägliche Identiätsarbeit diskutiert der Vortrag die Konzepte visueller Kompe­tenz und Biografizität als mögliche Ansatzpunkte der medienpädago­gischen Arbeit.”

Dr. Michaela Kramer, Erziehungswissenschaftlerin, FAU Erlangen-Nürnberg

Michaela Kramer arbeitet am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor war sie am Arbeitsbereich Medienpädagogik der Universität Hamburg tätig. Dort sowie an der Leuphana Universität Lüneburg studierte sie Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Im Jahr 2020 schloss sie ihre Promotion über Smartphone-Fotografie in der Adoleszenz ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mediensozialisations- und Identitätsforschung sowie visuelle Forschungsmethoden. 

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