Kurzbericht zur #idt18

Kinderrechte müssen auch in mediatisierten Lebenswelten respektiert werden – doch welche Konsequenzen folgen aus dieser Forderung? Diese Frage stand im Fokus der Fachtagung am 30. November, zu der mehr als 130 Interessierte in die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) gekommen waren. Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis diskutierten fachübergreifend das Thema „Kinder Rechte Medien – Neue Perspektiven auf Schutz, Befähigung und Partizipation in medialen Lebenswelten“. Seit 14 Jahren initiieren das JFF – Institut für Medienpädagogik und die BLM gemeinsam den interdisziplinären Diskurs über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten. Die Tagung wurde mitveranstaltet vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) und dem Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW).

BLM-Präsident Siegfried Schneider betonte in seiner Begrüßung, dass Kinder bei der Mediennutzung insbesondere auch das Recht zur Teilhabe haben und es ein gemeinsames Anliegen sein muss, Kindern die Wahrnehmung dieses Rechts zu ermöglichen: „Dies ist eine Herausforderung für alle gesellschaftlichen Gruppen und insbesondere auch für die Medienanbieter.“ Carolina Trautner, Bayerische Familienstaatssekretärin, betonte: „Junge Menschen sollen die Chancen der Digitalisierung bestmöglich nutzen können. Deshalb müssen wir gemeinsam Sorge dafür tragen, dass Kinder und Jugendliche frühzeitig lernen, mit den neuen Medien sicher, kompetent und reflektiert umzugehen. Hierzu brauchen wir alle Akteure in gemeinsamer Verantwortung: Die Eltern und Familien, die jeweiligen Anbieter und auch den Staat. Besonders wertvoller Kooperationspartner in Forschung und Praxis ist uns das ‚JFF – Institut für Medienpädagogik‘. Es liefert wichtige Erkenntnisse am Puls der Zeit, die uns in der Medienerziehung durch den rasanten technologischen Fortschritt immer wieder vor neue Herausforderungen stellen wird.“

Stefan Haddick, Referatsleiter Jugendschutzgesetz, Kinder- und Jugendmedienschutz, Aufwachsen digital im Bundesfamilienministerium, unterstrich, dass gerade auch die bestehenden massiven Defizite und Widersprüchlichkeiten des gesetzlichen Kinder- und Jugendmedienschutz nur mit einem konsequenten kinderrechtlichen Ansatz aufgelöst werden können und müssen. Kinder- und Jugendmedienschutz muss von Kindern, Eltern und Fachkräften aus gedacht werden, nicht von Zufälligkeiten wie Mediengattungen und Verbreitungswegen wie bislang. In einer konvergenten Medienlandschaft müssen einheitliche Gefährdungslagen einheitlich beantwortet und die Anbieter konsequent in die Verantwortung genommen werden, auch wenn sie nicht in Deutschland sitzen. „Dass Jugendliche sich in dem für sie zentralen Forum der Teilhabe, den Social Media, wegen der Beleidigungskultur und Gefahren für ihre Identität und ihren Geldbeutel vermehrt aus dem Online-Rampenlicht zurückziehen, muss uns nicht nur zum Nachdenken, sondern zum Handeln bringen.“ Für das JFF eröffnete der Vorsitzende, Prof. Dr. Frank Fischer, die Tagung und unterstrich die Bedeutung des interdisziplinären Dialogs zu dieser Frage. Abschließend forderte er: „Wir müssen uns klar werden, wie die dynamische Balance zwischen Selbstbestimmung, Befähigung und Schutz konzeptualisiert, gestaltet und empirisch evaluiert werden kann, so dass wir zu einer evidenzorientierten Praxis kommen, in der Erfahrungswissen und wissenschaftliche Erkenntnisse handlungsleitend bei der Umsetzung von Kinderrechten in einer digitalisierten Welt sind.“

Die Frage des Heranwachsens mit Medien stand auch im Fokus des Einstiegsvortrags von Dr. Ingrid Stapf, FAU Erlangen und FH Potsdam. In der medialen Lebenswelt entsteht in der kinderrechtlichen Perspektive ein Spannungsfeld zwischen dem Kinderrecht auf Selbstbestimmung und dem Recht auf Schutz und Fürsorge. Dr. Ingrid Stapf zeigte auf, welche Potentiale und Herausforderungen sich für die kindliche Selbstbestimmung in der digital vernetzten Welt ergeben und wie die Eigenverantwortlichkeit von Kindern in medialen Lebenswelten gestärkt werden kann. Dabei sei vor allem wichtig, dass „wir Kinder als Experten ihres Alltags ernst nehmen“, betonte sie. Damit mehr Partizipation möglich werde „müssen wir viel ausprobieren und vor allem die Perspektive ändern und mit Kindern reden, um sie angemessen zu beteiligen.“ Man müsse überlegen, „wie ihre Stimme mehr Raum bekommt, bei Prozessen, die sie betreffen.“ Sie plädierte, Bildungsmaßnahmen zu konzipieren, die auf Selbstbestimmung ausgerichtet sind, um Kinder zu befähigen, ihre Rechte zunehmend eigenständig wahrzunehmen.

In einer rechtswissenschaftlichen Einordnung beschäftigte sich Dr. Stephan Dreyer vom Hans-Bredow-Institut mit den unterschiedlichen Aspekten von Schutz und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medienumgebungen. Dreyer empfahl eine differenzierte und gut abgestimmte Entscheidung darüber, auf welchen Ebenen Zugangsbeschränkungen stattfinden. Wird bereits der Zugang zu einem technischen Angebot beschränkt oder reicht es den Zugang zu bestimmten Inhalten zu beschränken? Abschließend forderte er eine direkte Einbeziehung der Kinder in die Gestaltung und auch der medienbezogenen Gesetzgebung. Ein Anreizsystem für die Durchsetzung von Partizipationsrechten fehlt jedoch, während die Notwendigkeit Schutzrechte durchzusetzen zumindest bei Fachkräften weitgehend präsent ist.

Die Kindheitsforscherin Prof. Dr. Katharina Gerarts von der Evangelischen Hochschule Darmstadt präsentierte ausgewählte Ergebnisse der „Hessischen Kinder- und Jugendrechte-Charta“, welche sich mit dem Themenkomplex Medien und den dazugehörigen Artikeln aus der UN-Kinderrechtskonvention auseinandersetzt. Sie betonte, wie wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche lernen „eigenverantwortlich mit neuen Medien umzugehen und zu problematischen Inhalten kritische Distanz zu wahren. Das ist Selbstschutz im Sinne des Kinder- und Jugendmedienschutzes.“

Anschließend diskutierten Daniela Tews, Referentin Medien in der Koordinierungsstelle Kinderrechte beim Deutschen Kinderhilfswerk, Jutta Schirmacher, Leiterin des Referates Medienpädagogik und Nutzerkompetenz der BLM, Achim Lauber von der Transferstelle Online-Kindermedien des JFF und Birgit Guth, die Leiterin der Medienforschung bei SUPER RTL mit dem engagierten Publikum über die Frage, wie Schutz, Befähigung und die Förderung von Teilhabe in und mit Medien für Heranwachsende gestaltet werden können. Eine zentrale Aussage der Diskussion war, dass Schutz zumindest auch über Teilhabe erreicht werden kann, wenn für die Teilhabe Räume bereit stehen, die befähigend angelegt sind. Dahingehend ist eine Befähigung zur Teilhabe nicht über eine einseitige Fokussierung auf den Schutzaspekt zu erreichen. Damit wurde die Bedeutung von geschützten Räumen gerade für jüngere Kinder betont und festgestellt, dass diese geschützten Räume leider, im Gegensatz zu den Nutzungszahlen im Internet, rückläufig sind. So wies Achim Lauber auf das Problem hin, dass es im Netz immer weniger Angebote gibt, die so strukturiert sind, dass sie von Kindern unbeschwert genutzt werden können. „Die Zahl der Kinderwebsites nimmt ab. Es gibt keinen Chat mehr für Kinder. Da müsste ein Angebot für Kinder geschaffen werden,“ unterstützte ihn Birgit Guth. „Das wäre eine gesellschaftliche Aufgabe.“ Im Spannungsfeld zwischen Befähigung und Schutz plädierte Jutta Schirmacher für Schutzräume für Kinder im Netz: „Ich möchte klar dem Gedanken entgegentreten, dass wir Kinder für alles fit machen können, was ihnen im Netz begegnet. Wir brauchen Schutzräume. Das ist im Internet natürlich eine Herausforderung, aber es gibt Möglichkeiten.“ Birgit Guth stellte die Frage, „wie machen wir Eltern und Kinder fit“ im Umgang mit dem Internet und ermutigte die Eltern, die Kinder im Netz zu begleiten: „Kümmert euch um die Inhalte, seid mit dabei!” In diesem Zusammenhang wurde betont, wie wichtig eine Auseinandersetzung mit den Fragen von Privatheit und Öffentlichkeit für die Entwicklung eines Verständnisses von Gefährdungspotentialen des Internets ist. Gerade jüngere Kinder können nur kleinere Öffentlichkeiten, bspw. in Größe einer Schulklasse, überschauen und sollten in solchen Kontexten Erfahrungen sammeln können. Einigkeit bestand darin, dass die Kinderrechte ein wunderbares Instrument sind, aktuellen Fragestellungen zu begegnen und die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Leben-Medien-Realität hervorzuheben.

„Sharenting“ – das Teilen von Informationen, Bildern und Videos aus dem familiären Alltag in sozialen Netzwerken gehört für viele Familien zum Alltag. Ramona Bouillon von der Universität zu Köln stellte die Ergebnisse der Studie „Kinder. Bilder. Rechte.“ vor, in der unter Leitung von Prof. Dr. Nadia Kutscher in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderhilfswerk untersucht wurde, wie Kinder selbst Persönlichkeitsrechte für sich formulieren und inwiefern sich in den Familien unterschiedliche Perspektiven zu den Themen „Privatheit“ und „Schützenswertes“ zeigen. Zentrale Ergebnisse der Studie waren, dass Kinder deutlich weniger Bilder von sich veröffentlichen würden, als es die Eltern tun. Außerdem ist die Einschätzung der Kinder, ob ein Foto veröffentlicht werden sollte, stark zeit- und kontextabhängigt. Bezogen auf die Eltern wurde deutlich, dass sie sich zwar Gedanken, um schützenswerte Inhalte machen, dies aber in der täglichen Praxis konterkarieren.

Die Tagung wurde zweimal durch Fachzirkel unterbrochen. Hier konnten sich die Teilnehmenden in moderierten Kleingruppen mit dem Tagungsthema auseinandersetzen, ihre Gedanken und Fragen einbringen sowie gemeinsam Aspekte fokussieren, die in der Podiumsdiskussion angesprochen werden sollen. Die Fachzirkel ermöglichten, die allen eine direkte Diskussionsbeteiligung entlang ihrer Interessens- und Kompetenzgebiete ermöglichte. So konnten eine Vielzahl an Fragen im Hinblick auf die unterschiedlichen Bildungsbereiche diskutiert werden.

Als Fazit der Tagung kann festgehalten werden, dass der Dreiklang der Kinderrechte – Teilhabe, Schutz und Befähigung – für die Begleitung eines guten Aufwachsens mit Medien eine konstruktive Orientierungslinie bietet. Gerade auch die Spannungsfelder zwischen den drei Begriffen erfordern, entsprechend der Fähigkeiten und Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen, entwicklungsangemessene Konzepte zu entwickeln. Dabei wurde in den Beiträgen und Diskussionen deutlich, dass bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in allen relevanten Lebensbereichen – und gerade wenn es um die Nutzung und den Einsatz digitaler Medien geht – noch großer Entwicklungsbedarf besteht. Hier bedarf es praxistauglicher Konzepte.

.

 

Veröffentlicht unter IdT18

Programm der IdT18 “Kinder Rechte Medien” jetzt online

Kinder Rechte Medien

Neue Perspektiven auf Schutz, Befähigung und Partizipation in medialen Lebenswelten

Kinderrechte müssen auch in mediatisierten Lebenswelten respektiert werden – doch welche Konsequenzen folgen aus dieser Forderung? Gerade in digitalen Medienangeboten können sich Rechte auf Schutz und Teilhabe scheinbar unauflöslich gegenüberstehen. Lösungen derartiger Widersprüche sollen sich am Wohlergehen von Kindern und ihren wohlverstandenen Interessen orientieren und ebenso das Alter der Heranwachsenden und die sich entwickelnden Fähigkeiten berücksichtigen.

Mit Beiträgen aus der Medienethik, Rechtswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sozialen Arbeit und Medienpädagogik ermöglicht die Tagung einen umfassenden Blick darauf, welche Perspektiven sich aus einem kinderrechtlichen Ansatz für Medienpädagogik, -aufsicht und -politik ergeben.

Moderation: Nicole Lohfink

10.00 Anmeldung

10.30 Grußworte

10.50 Aktuelle Diskurse zu Kindern, Kinderrechten und Medien I
„Zwischen Selbstbestimmung, Fürsorge und Befähigung: Kinderrechte in mediatisierten Lebenswelten“
Dr. Ingrid Stapf, FAU Erlangen

11.15 Diskussion in Fachzirkeln

12.00 Aktuelle Diskurse zu Kindern, Kinderrechten und Medien II
„Eine rechtswissenschaftliche Einordnung von wohlverstandenen Interessen und dem Recht auf Beteiligung von Kindern“
Dr. Stephan Dreyer, Hans-Bredow-Institut an der Universität Hamburg

„Kinderrechte und Medien – die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf Chancen und Herausforderungen“
Prof. Dr. Katharina Gerarts, Evangelische Hochschule Darmstadt, Studiengang Childhood Studies

12.45 Nachfragen an die ReferentInnen und Diskussion

13.15 Mittagspause

14.15 Vertiefung der Diskussion in den Fachzirkeln

14.45 Podiumsdiskussion „Das Recht auf Partizipation und Schutz im Netz – Wie kann Schutz, Befähigung und die Förderung von Teilhabe in und mit Medien gestaltet werden?“

Daniela Tews, Referentin Medien in der Koordinierungsstelle Kinderrechte, Deutsches Kinderhilfswerk e. V.

Jutta Schirmacher, Leiterin des Referats Medienpädagogik und Nutzerkompetenz der BLM

Achim Lauber, Transferstelle Online-Kindermedien (JFF)

Birgit Guth, Leiterin Medienforschung SUPER RTL

Freier Stuhl zum Mitdiskutieren

15.45 Kinderrechte in der Praxis – Impuls und Diskussion
„Kinder. Bilder. Rechte. Ergebnisse der Studie der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie“
Prof. Dr. Nadia Kutscher und Ramona Bouillon, Universität zu Köln

16.30 Abschluss der Tagung

-> Hier das Programm als PDF herunterladen.

Veröffentlicht unter IdT18

Prof. Dr. Katharina Gerarts “Kinderrechte und Medien – die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf Chancen und Herausforderungen”

Kinderrechte und Medien – die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf Chancen und Herausforderungen

Die UN-Kinderrechtskonvention widmet sich in mehreren ihrer Artikel dem Themenkomplex „Medien“. Um nur einige Beispiele zu nennen, soll auf Art. 13 „Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit“, auf Art. 17 „Recht auf Zugang zu Information“, Art 14 „Recht auf Gedanken-Gewissens- und Religionsfreiheit“ sowie auf Art. 16 „Recht auf Schutz der Privatsphäre“ verwiesen werden. Aus Sicht der UN-Kinderrechtskonvention sind also weitgreifende Rechte der 0-18Jährigen formuliert, die den Zugang und die Nutzung von Medien regeln. Allerdings bleibt dabei offen, wie sich der konkrete Umgang von Kindern und Jugendlichen mit sich ständig verändernden Medien gestaltet und inwiefern die formulierten Rechte aus der UN-Kinderrechtskonvention hier tatsächlich zum Tragen kommen.

Aus der Perspektive der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen ergeben sich konkrete Fragen im Umgang mit Medien, die je nach Altersstufe stark variieren können und sich auf den Ebenen der Gesellschaft, der Familie, der Bildungsinstitutionen oder in der freien Zeit, z. B. in der peer-group, abspielen. In dem Vortrag „Kinderrechte und Medien – die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf Chancen und Herausforderungen” werden ausgewählteErgebnisse der „Hessischen Kinder- und Jugendrechte-Charta“ präsentiert, welche sich mit dem Themenkomplex Medien und den in der Einleitung angeführten Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention auseinandersetzen und die Chancen und Herausforderungen von Kinderrechten und Medien aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen beleuchten.

 

Gerarts, Prof. Dr. phil. Katharina: Diplom-Pädagogin, qualitative Kindheitsforscherin und Professorin für Kindheitspädagogik an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt. Viele Jahre Tätigkeit als Senior-Researcher for Children Studies am World Vision Institut, einem internationalen Kinderhilfswerk. Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Kinderrechte und Kinderpolitik, Kindheitsforschung und ihre Methoden, Child-Well-Being, Partizipation und Teilhabe von Kindern, Kinder in der generationalen Ordnung. Außerdem ehrenamtliche Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Kinder- und Jugendrechte. Email: Katharina.Gerarts@eh-darmstadt.de

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Daniela Tews

Daniela Tews ist Referentin Medien innerhalb der Koordinierungsstelle Kinderrechte im Deutschen Kinderhilfswerk, Berlin. Sie studierte BWL (FH), später Angewandte Kindheitswissenschaften (B.A.) und zuletzt den M.A. Childhood Studies and Children’s Rights an der FU. Ihre Themenschwerpunkte im Deutsche Kinderhilfswerk sind Kinderrechte in der digitalen Welt, unter anderem die Persönlichkeitsrechte sowie der Jugendmedienschutz.

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Achim Lauber

Achim Lauber ist Medienpädagoge und Kommunikationswissenschaftler. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften, der Soziologie und der Erziehungswissenschaften war er an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig, am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis sowie bei der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und beim Erfurter Netcode e.V.  tätig. Seit 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Forschung des JFF und arbeitet im Büro Berlin des JFF. Zu seinen Schwerpunkten zählen medienpädagogische Forschung, Beratung und Praxistransfer. Er engagiert sich insbesondere für die Themen Sozialisation in der mediatisierten Gesellschaft, Medienaneignung, Kindermedienkulturen und Jugendmedienschutz.

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Dr. Ingrid Stapf “Zwischen Selbstbestimmung, Fürsorge und Befähigung: Kinderrechte in mediatisierten Lebenswelten“

Zwischen Selbstbestimmung, Fürsorge und Befähigung: Kinderrechte in mediatisierten Lebenswelten

Der Vortrag gibt einen Impuls zu einer kinderrechtlichen Perspektive mit Blick auf die medial durchdrungenen Lebenswelten von Kindern. Diese Perspektive sieht Kinder als subjektive Träger von Menschenrechten, die ihnen als Kinder zukommen. Da Kindheit eine Entwicklungsphase ist, die von besonderer Verletzlichkeit, Abhängigkeit und auch asymmetrischen Machtstrukturen in der generationalen Ordnung geprägt ist, bewegen sich Kinderrechte im Spannungsfeld, Kinder einerseits als aktiv handelnde Subjekte in ihren Selbstbestimmungstendenzen (als „beings“) ernst zu nehmen und ihnen (als „becomings“) gleichzeitig Schutz und Fürsorge zu gewähren, damit sie sich gesund und eigenverantwortlich entwickeln und ihre Persönlichkeit entfalten können. Hierzu wird die Befähigung von Kindern relevant, indem Kinder die Fähigkeiten erwerben sollten, die in ihren jeweiligen Kontexten für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben relevant sind. So betont der Sozialökonom Amartya Sen (2007), dass Kinder befähigt werden müssen, um sich ihre Freiheitsrechte anzueignen.

In welchem Zusammenhang aber stehen Schutz, Befähigung und Partizipation mit Blick auf mediale Lebenswelten? Welches Kindheitsbild ist weiterführend? Und was bedeutet eine kinderrechtliche Perspektive mit Blick auf Medienbildung, Medienerziehung aber auch die Medienregulierung? Als die Kinderrechte mit der UN-Kinderrechtskonvention 1989 völkerrechtlich verbrieft und darin Kinder erstmals global als handelnde Rechtssubjekte verstanden wurden, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Zwischenzeitlich ist Kindheit weitgehend mediatisiert: Empirische Daten verweisen auf eine wachsende mediale Ausstattung und Nutzungszahlen schon in der frühen Kindheit (MPFS 2017, DIVSI 2015) und eine mediale Durchdringung von Orten und Formen kindlicher Kommunikation (Tillmann/Hugger 2014). Gleichzeitig steht der Kindermedienschutz vor einer Regulierungskrise (Stapf 2016) und Fragen der Medienbildung sowie der Verantwortung verschiedener Stakeholder bei der Sicherung kindlicher Interessen bedürfen einer Aktualisierung.

Der Vortrag verfolgt anhand aktueller Beispiele aus medien- und kinderethischer Perspektive die Frage, welche Potenziale und Herausforderungen sich für kindliche Selbstbestimmung in der digital vernetzten Welt ergeben. Mit Blick auf Kinderrechte als „Menschenrechte für Kinder“ (Maywald 2012, S. 16) wird diskutiert, was kindliche Selbstbestimmung ausmacht, wie die Eigenverantwortlichkeit von Kindern in medialen Lebenswelten gestärkt werden und dennoch wirksame Schutz- und Befähigungsräume für Kinder entstehen können. Kinderrechte werden dabei in innerem Zusammenhang von Schutz-, Befähigungs- und Partizipationsrechte verstanden und auf das Konzept der „evolving capacities,“ (Lansdown 2005) bezogen, welches die individuelle Entwicklungsdimension des Kindes in den Vordergrund rückt. Entscheidend hiernach ist, dass das Kind weder mit Autonomieansprüchen überfordert, noch dass es an wichtigen Erfahrungen gehindert wird, welche überhaupt die Grundlage von Verantwortungsübernahme und Selbstwirksamkeit (Bandura 1994) bilden. Dabei wird vermutet, dass Medienkompetenz nur eine Teilkomponente der Befähigungsbestrebungen aus kinderrechtlicher Sicht ist. Letztendlich geht es um die Stärkung kindlicher Selbstbestimmung im Kontext der Mediatisierung und mit Blick auf weiter zu untersuchende evolving capacities von Kindern.

 

Dr. phil. Ingrid Stapf habilitiert sich derzeit zu Grundlagen einer Kinder-Medien-Ethik im digitalisierten Zeitalter. Sie lehrt Medienethik an der FAU Erlangen und der FH Potsdam, war langjährige Sprecherin der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik in der DGPuK und ist Herausgeberin einer Reihe zur Medienethik im Nomos-Verlag.

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Jutta Schirmacher

Jutta Schirmacher ist stv. Bereichsleiterin Medienkompetenz und Jugendschutz und Referatsleiterin Medienpädagogik/Nutzerkompetenz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Zudem ist sie Stiftungsreferentin der Stiftung Medienpädagogik Bayern. Daneben ist sie u.a. Vorstandsmitglied des Vereins Internet ABC und Mitglied des Siegelausschusses des Erfurter Netcode. Seit 2016 ist sie Jurymitglied der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW). Zuvor war sie Projektreferentin der Stiftung Medienpädagogik Bayern und Referentin der Stabsstelle der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in München. Jutta Schirmacher hat Medienwissenschaft, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg studiert und zuvor eine Ausbildung bei Hubert Burda Media zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste absolviert.

Zum Progamm

Veröffentlicht unter IdT18

Birgit Guth

Birgit Guth, geboren 1967, ist seit 1995 Leiterin der Medienforschung bei SUPER RTL. In ihrer Verantwortung liegen die Konzeption und Durchführung zahlreicher Studien zum Kinderfreizeit-Verhalten sowie zur Fernseh- und Mediennutzung von Kindern. Außerdem verantwortet sie zahlreiche Fachtagungen zum Thema „Kinder und Medien“ und referiert bei Fortbildungen oder als Lehrbeauftragte. Von 2001 bis 2008 war sie zusätzlich als Jugendschutzbeauftragte bei SUPER RTL tätig und leitete das Qualitätsmanagement des Senders. Birgit Guth hat Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Marketing in Essen studiert. Sie engagiert sich zudem in verschiedenen medienpädagogischen Projekten, wie fragFINN, Media Smart und dem Erfurter Netcode. Außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen.

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Prof. Dr. Nadia Kutscher und Ramona Bouillon “Kinder. Bilder. Rechte. Ergebnisse der Studie zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie”

Kinder. Bilder. Rechte. Ergebnisse der Studie der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie

Digitale Medien spielen im Kontext der Familie eine bedeutsame Rolle. Insbesondere „Sharenting“ (Blum-Ross/Livingstone 2017), das Teilen von Informationen, Bildern und Videos aus dem familiären Alltag in sozialen Netzwerken gehört für viele Familien zum Alltag. Insbesondere wenn es dabei um Fotos der eigenen Kinder geht, stellt sich die Frage was diese eigentlich über die Sharenting-Praxen ihrer Eltern denken, wie sie beteiligt werden und welche Vorstellungen sie von Privatheit, Schutz und Medienhandeln haben. Im Kooperationsprojekt der Universität zu Köln und des Deutschen Kinderhilfswerks e.V. wurden Kinder (im Alter von 6-13 Jahren) und ihre Eltern in mediengestützten Interviews nach Erfahrungen und eigenen Praxen zum Teilen familialer Fotos und weiterer digitaler Medienpraktiken befragt.

Im Vortrag werden die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt, besonders im Hinblick darauf wie Kinder an ebengenannten Prozessen beteiligt werden (wollen), inwiefern sie welche Persönlichkeitsrechte für sich formulieren und welche teils divergierenden generationalen Perspektiven auf „Privatheit“ und „Schützenswertes“ sich in den Familien zeigen.

Prof. Dr. Nadia Kutscher ist Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit am Department Heilpädagogik und Rehabilitation an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Sie forscht zur Digitalisierung im Kontext des Aufwachsens junger Menschen sowie in der Sozialen Arbeit und beschäftigt sich dabei insbesondere mit Fragen von Ethik und Verantwortung, fachlichen Standards, Kinderrechten und sozialer Ungleichheit und Bildungsteilhabe.

 

Ramona Bouillon, Soziale Arbeit M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kooperationsprojekt der Universität zu Köln und des Deutschen Kinderhilfswerks e.V. „Persönlichkeitsrechte von Kindern im Kontext der familialen Mediennutzung“. Sie studierte im BA und MA Soziale Arbeit an der Universität Vechta. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. Kindheit, Familie und Digitalisierung sowie Kindheit und soziale Ungleichheit.

 

Weiteres: www.hf.uni-koeln.de/39850

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18

Dr. Stephan Dreyer “Schmutz, Schutz und Teilhabe: Eine rechtswissenschaftliche Einordnung von wohlverstandenen Interessen und dem Recht auf Beteiligung von Kindern”

Schmutz, Schutz und Teilhabe: Eine rechtswissenschaftliche Einordnung von wohlverstandenen Interessen und dem Recht auf Beteiligung von Kindern

Schutz und Teilhabe – kaum ein anderer Doppelklang ist in der Jugend- und Jugendmedienschutzpolitik derzeit so häufig zu hören wie dieser. Beide Aspekte sind normativ gerahmt, aus Sicht von Grund- und Menschenrechten garantiert und ihre Perspektiven für die Gestaltung von Kindheit in digitalen Medienumgebungen essenziell. Und doch können sich Schutz und Teilhabe widersprechen oder auf unterschiedlichen Ebenen (Erziehung, Bildung, Mediennutzung, Produktion, politische Partizipation uvm.) ganz unterschiedlich starke Ausprägungen erfahren, z.B. bei Fragen wie: Sollen Heranwachsende über Art und Ausmaß des sie selbst betreffenden Ordnungsrahmens (inkl. Jugendschutz) mitbestimmen? Sind sie an der Ausgestaltung moderner Medienerziehung und Medienbildung zu beteiligen? Welche Möglichkeiten bieten Teilhaberechte bei der Überwindung praxisferner, kommunikationseinschränkender Rechtsnormen oder medienhandlungsbezogener Elternverbote? Hilft der Ansatz eines Rechts auf “unbeschwerte Teilhabe” bei der Integration der beiden Aspekte?

Der Vortrag will mehr Licht in das Dickicht der beiden unterschiedlichen Schutzgehalte, ihren kongruenten wie inkongruenten Teilmengen und Schnittbereichen bringen und Leitlinien für die Optimierung ihrer Geltungskraft in der Praxis entwickeln.

 

Dr. Stephan Dreyer ist Senior Researcher für Medienrecht und Media Governance am Hans-Bredow-Institut. Das Forschungsinteresse des Juristen gilt den regulatorischen Aspekten medienvermittelter Kommunikation in einer datafizierten Gesellschaft; er analysiert Herausforderungen, denen sich rechtliche Steuerung angesichts neuer Technologien, Angebotsstrukturen und Nutzungspraktiken gegenüber sieht. Ein Augenmerk liegt dabei auf den Möglichkeiten und Grenzen von Transparenz-/Informationspflichten als Steuerungsressource. Stephan Dreyer ist ein Experte für rechtliche Fragestellungen im Schnittbereich von Jugendschutz und Datenschutz. Zudem führt er steuerungswissenschaftlich orientierte sowie komparative Untersuchungen von Systemen und Instrumenten informations- und kommunikationsbezogener Governance durch. Im Rah­men seiner Dissertation hat er die Problematik sowie die rechtlichen Determinanten von rechtlichen Entscheidungen unter Ungewissheit im Jugendmedienschutz untersucht. Er ist seit 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hans-Bredow-Institut tätig.

Zum Programm

Veröffentlicht unter IdT18