Wie verändern digitale Medien unser Erinnern?

Zeit- und Raumerleben in digitalisierten Welten.

Erinnerung ist schon immer zeit- und raumgebunden. Die Bedeutung von Medien als Träger und Vermittler kollektiver wie individueller Erinnerungen ist dabei unumstritten. Digitale Medien verändern jedoch die Formen und Praktiken unseres Erinnerns: Raum- und Zeitgrenzen werden immer häufiger marginalisiert, Erinnerungsprozesse damit zunehmend entgrenzt. Indem die Abstände zwischen Ereignis und Erinnerung kürzer werden, beeinflussen digitale Medien darüber hinaus unser Zeiterleben.

Augmented-Reality-Angebote machen Geschichte und Erinnerungsorte (gefühlt) unmittelbar erfahrbar. Damit verändert sich auch der Zugang zur Vergangenheit. Es eröffnen sich neue Erinnerungsräume, die nicht mehr allein an reale Erinnerungsorte gebunden bleiben. Daneben produziert das individuelle Medienhandeln fortlaufend Datenmengen, die schon morgen Vergangenheiten abbilden – sichtbar im Fotoalbum des Smartphones oder in den Posts auf Social-Media-Plattformen. Geschichte wird somit ein alltäglicher Bestandteil der Gegenwart.

Mit Grußworten von  Carolina Trautner, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Siegfried Schneider, Präsident der BLM, und Prof. Dr. Frank Fischer, Vorsitzender des JFF e. V.

Mittwoch, 25. November | 1530 – 1700 Uhr


1530 Meet & Greet

1600 Begrüßung

1610 (Post)Digitale Erinnerungsräume: Transformation von Erinnerungskultur und Identität
Dr. Vivien Sommer, Soziologin, TU Berlin

1635 Fragen & Diskussion

1700 Ende

Donnerstag, 26. November | 1530 – 1745 Uhr

1530 Meet & Greet

1600 Begrüßung

1610 Erinnern und Vergessen in digitalen Medien: Warum Vergessen wichtig für das Erinnern ist
Prof. Dr. Martin Korte, Neurobiologe, TU Braunschweig

1635 Pause

1645 Das beste aller Leben? Künstliche Intelligenz als Kurator menschlicher Erinnerung
Prof. Dr. Stefan Selke, Soziologe, Hochschule Furtwangen

1710 Fragen & Diskussion

1745 Ende

Freitag, 27. November | 0930 – 1200 Uhr


0930 Meet & Greet

1000 Begrüßung

1010 Digitale Medienpraktiken des Erinnerns und Bewahrens: 
Wie Menschen im Zuge des Medienhandelns aktiv Erinnern gestalten 
Dr. Michaela Kramer, Erziehungswissenschaftlerin, FAU Erlangen-
Nürnberg

1035 Breakout-Sessions

1100 Pause

1115 Podiumsdiskussion mit Fragen aus den Breakout-Sessions

1200 Ende

Hier gibt es das Programm zum Herunterladen.

Dr. Vivien Sommer: (Post)Digitale Erinnerungsräume: Transformation von Erinnerungskultur und Identität

Das private und das öffentliche Erinnern an die Vergangenheit geschieht mehr denn je in und über soziale Medien. So versammeln sich etwa unter den Hashtags  #niewieder#Auschwitz75 oder auch #WeRemember, um nur einige wenige zu nennen, unterschiedlichste mediale Angebote auf den verschiedenen sozialen Plattformen wie YouTube, Twitter, Instagram und Facebook, um an den Holocaust zu erinnern. Erinnern im Zusammenhang mit digitalen Medien kann dabei als mediatisiertes Erinnern beschrieben werden. Mit dem Konzept postdigitaler Erinnerungsräume nähere ich mich in meinem Vortrag der Frage nach dem Wandel von Erinnern und Vergessen. So gehe ich davon aus, dass Erinnern im postdigitalen Zeitalter nicht nur eine Transformation durchläuft, sondern an vorherige mediatisierte Erinnerungspraktiken anschließt. Aufbauend darauf illustriere ich an konkreten Beispielen, dass durch eine Digitalisierung von Erinnerungskulturen sich nicht ausschließlich ein Wandel, sondern auch ein Sichtbarmachen von fluiden Prozessen des Erinnerns jenseits analytischer Grenzziehungen vollzieht – wie zum Beispiel zwischen einem privaten Familiengedächtnis und einem offiziellen kollektiven Gedächtnis etwa einer staatlichen Gemeinschaft. Was das genau bedeutet, welche möglichen Transformationsprozesse damit einher gehen und welche Auswirkungen diese auf die Identität von Erinnerungsgemeinschaften haben, steht im Zentrum meines Vortrags.  

Dr. Vivien Sommer, Soziologin, TU Berlin

Dr. Vivien Sommer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin und forscht derzeit über die diskursive Konstituierung und Legitimierung von Planungswissen am Beispiel der IBA Basel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Raumsoziologie, Qualitative Methoden, Diskurstheorie und -analyse, Mediensoziologie und Erinnerungs- und Gedächtnissoziologie. Vivien Sommer hat an der Freien Universität Berlin Soziologie, Philosophie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Sie promovierte an der Technischen Universität Chemnitz mit einer mediensoziologischen Studie zum Thema „Erinnern im Internet. Der Online-Diskurs um John Demjanjuk“.  

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Dr. Michaela Kramer: Digitale Medienpraktiken des Erinnerns und Bewahrens: Wie Menschen im Zuge des Medienhandelns aktiv Erinnern gestalten

Das Verhältnis von Fotografie und Erinnerung wird gemeinhin als ein Festhalten vergänglicher Momente diskutiert. Die damit vorausgesetzte Objektivität beider Praxen täuscht jedoch darüber hinweg, dass zum einen fotografische Bilder Wirklichkeit nicht unmittelbar widerspiegeln und zum anderen Erinnerung ein komplexer Prozess ist, der sich in jeder Rezeptionssituation unterschiedlich gestalten kann. Einen spezifischen Wandel erfuhren fotoindizierte Erinnerungspraktiken durch die Verbreitung von Smartphones und Social Media Apps. So hat durch die Veralltäglichung der Fotografie ein rasanter Anstieg der entstehenden Bildmengen stattgefunden, die zur erneuten Reflexion genutzt werden können. Hinzu kommen plattformseitig eingeschriebene Möglichkeiten und Begrenzungen des individuellen Bildgebrauchs, die nun veränderte Erinnerungs- und Biografisierungsoptionen bieten. Anschließend an die Präsentation einer empirischen Studie zur Relevanz aktueller Fotopraktiken Jugendlicher für ihre alltägliche Identiätsarbeit diskutiert der Vortrag die Konzepte visueller Kompe­tenz und Biografizität als mögliche Ansatzpunkte der medienpädago­gischen Arbeit. 

Dr. Michaela Kramer, Erziehungswissenschaftlerin, FAU Erlangen-Nürnberg

Michaela Kramer arbeitet am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor war sie am Arbeitsbereich Medienpädagogik der Universität Hamburg tätig. Dort sowie an der Leuphana Universität Lüneburg studierte sie Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Im Jahr 2020 schloss sie ihre Promotion über Smartphone-Fotografie in der Adoleszenz ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mediensozialisations- und Identitätsforschung sowie visuelle Forschungsmethoden. 

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Prof. Dr. Stefan Selke: Das beste aller Leben? Künstliche Intelligenz als Kurator menschlicher Erinnerung

Wie verändern sich individuelle Erinnerung und kollektive Erinnerungskultur, wenn Erinnerungsdaten mittels künstlicher Intelligenz sortiert, selektiert, analysiert und präsentiert werden? Der Vortrag geht der Frage nach den Funktionsweisen und Wirkungen neuartiger kuratierender Erinnerungssysteme nach. Interaktive Erinnerungs-Avatare bieten die Möglichkeit, menschliche Erinnerungsfähigkeit zu überformen, Gedächtnisleistungen auszulagern und die eigene Lebensführung zu optimieren. Aus umsortierbaren Datenfragmenten wird so eine Lebensgeschichte, bei der Algorithmen auswählen, was bedeutungsvoll ist. KI-gestützte Erinnerungssysteme greifen dabei tief in das Beziehungsgeflecht von Menschen ein, sie verändern Prozesse der Biografisierung, des Andenkens sowie der Seelsorge. Je marktförmiger diese Angebote ausgestaltet werden, desto mehr ist nach den langfristigen Folgen und Kosten dieser Systeme zu fragen. Die Nutzung kuratierender Erinnerungssysteme geht einerseits mit der Zunahme an Handlungsoptionen einher, andererseits aber auch mit der Externalisierung von Autonomie an technische Systeme. Wird vor diesem Hintergrund das beste aller Leben das von KI editierte Leben sein?

Prof. Dr. Selke, Professur für „Soziologie und gesellschaftlichen Wandel“ sowie Forschunggsprofessur „Transformative und öffentliche Wissenschaft.”

Prof. Dr. Stefan Selke lehrt Soziologie und gesellschaftlichen Wandel an der Hochschule Furtwangen. Er ist Forschungsprofessor für „Transformative und öffentliche Wissenschaft“ sowie Visiting Professor an der University of Huddersfield (UK). Selke studierte Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte dann in Soziologie. Im Auftrag von Bundes- und Landesministerien leitet er gegenwärtig drei Forschungsprojekte zum digitalen Wandel. Als disziplinärer Grenzgänger ist Selke als Redner, Buchautor und Blogger sowie Interview- und Gesprächspartner der Medien auch außerhalb der Wissenschaft präsent. Selke versteht sich als öffentlicher Soziologe, der Positionen zu gesellschaftlich umstrittenen Themen entwickelt. Neben Digitalisierung sind seine Forschungsthemen soziale Utopien sowie Weltraumexploration.

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Meinung Netz Diskurs: Meinungsbildungsprozesse im Internet

Kurzbericht zu den interdisziplinären Diskursen über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten

Werden Meinungen im Netz nur proklamiert oder auch fundiert gebildet?
Und welche Bedeutung kommt dabei netztypischen Diskursformen zu? Diese Fragen standen im Fokus der 15. Interdisziplinären Tagung am 29. November, zu der 130 Teilnehmende in die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) kamen. Die Tagung wird gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS).

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch Siegfried Schneider, den Präsidenten der BLM: „Politische Meinungsbildung erfolgt heute gerade bei den Jüngeren zum großen Teil im und über das Netz. Diese Verlagerung der Meinungsmacht hat auch die Art und Weise der politischen Kommunikation verändert – das sollte bei der Vermittlung politischer Bildung berücksichtigt werden. Dabei gilt die Maxime: Meinungsfreiheit und Menschenwürde sind nicht verhandelbare Werte und müssen geschützt werden!“ Bayerns Staatssekretärin für Familie, Arbeit und Soziales, Carolina Trautner, richtete sich ebenfalls mit einem Grußwort an das Publikum. Sie betonte: „Der Einfluss von Social Media auf die politische Meinungsbildung von jungen Menschen ist heutzutage enorm. Unsere wichtigste Aufgabe ist es daher, Heranwachsenden Medienkompetenz zu vermitteln und sie bei ihren Meinungsbildungsprozessen zu begleiten. Wir möchten jungen Menschen Handwerkszeug mit auf den Weg geben, damit sie kritisch und reflektiert mit den unterschiedlichen Quellen von Informationen aus dem Netz umzugehen lernen.“

Für das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis eröffnete der Vorsitzende, Prof. Dr. Frank Fischer, die Tagung und unterstrich die Bedeutung der Chancen wie auch Herausforderungen des Internets für die politische Meinungsbildung. Chancen böten Online-Diskurse, weil sie Individuen und Gruppen außerhalb der Massenmedien eine enorme Reichweite verschaffen könnten. Gesellschaftlich problematisch sei es jedoch, wenn Menschen im Internet nur noch Informationen suchten, die die eigene Meinung stützten und sich so vom öffentlichen Diskurs abkoppelten. Zudem stelle sich die Frage, welche Normen für den Diskurs und die Inhalte auf Online-Plattformen maßgeblich seien und welche Inhalte sanktioniert werden sollten.  

Eine thematische Einführung mit Beispielen aus der medienpädagogischen Forschung gaben Dr. Niels Brüggen, Dr. Georg Materna und Eric Müller vom JFF. Sie stellten die Breite des Tagungsthemas zwischen individuellen Meinungsbildungsprozessen und der Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung vor und verorteten darin Forschungsergebnisse des JFF. Bei Informationen zum Thema Flucht spielten beispielsweise gerade auch klassische Medien und deren Wechselwirkung mit Inhalten in sozialen Medien eine große Rolle (siehe ausführlich http://mekrif.jff.de). Bei politischen Diskursen würden Jugendlichen Kontroversen aus der Angst vor Shitstorms meiden und sich eher in semiprivaten Räumen, wie z. B. Gruppenchats, austauschen. Über Prinzipien und Herausforderungen aktueller politischer Bildung sprach Dr. Christian Zimmermann von der Philosophischen Fakultät – Politikwissenschaft der Universität Siegen. In seinem Vortrag skizzierte er die Möglichkeiten und Grenzen politischer Bildung unter den Bedingungen der Gegenwart und plädierte für eine dezidiert kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Auslegung und Praxis der Demokratie. Hinsichtlich der Aufgaben politischer Bildung betonte er vor allem die Bedeutung der Stärkung des Selbstwertgefühls der Teilnehmenden.  

Über Bilder und Memes als Bestandteile der Diskurskultur im Netz und ihre Bedeutung für die politische Meinungsbildung sprachen Prof. Dr. Thomas Knieper und Michael Johann vom Lehrstuhl für Digitale und Strategische Kommunikation der Universität Passau. Bilder waren bereits in den 70er Jahren in der politischen Kommunikation bedeutsam und von da aus erschließe sich die Entwicklung zu heutigen Internet-Memes. Politischen Internet-Memes dienten dem Selbstausdruck, der Darstellung von Verbundenheit und wesentlich auch der Unterhaltung. Potenziale für die Meinungsbildung bestünden, da sie Informationen vermitteln aber auch zur Mobilisierung genutzt werden können.

Mit seinem Vortrag zum Thema „Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Community-Standards – wer schützt was in Netzdiskursen?“ griff Rechtsanwalt Chan-jo Jun, von der Kanzlei JunIT für IT- und Wirtschaftsrecht auf, dass Memes teils nicht den Anspruch hätten, Wirklichkeit abzubilden. Vielmehr enthielten Internet-Memes auch üble Nachrede und andere Verletzungen der Menschenwürde. Zur Bewertung dieser Inhalte wies er auf die Unterschiede zwischen den Community-Standards der Plattformen, dem amerikanischen Recht und dem Grundgesetz hin. Für einen besseren Schutz der Menschenwürde gegenüber der Redefreiheit (Community-Standards und US-Recht) forderte er die Durchsetzung des Grundgesetzes wie beim Netz-DG sowie eine breitere politische Bildung der Bürgerinnen und Bürger. Anschließend diskutierten Uta Löhrer von der LpB Bayern, Dr. Christian Zimmermann, RA Chan-jo Jun und Michael Johann in einer Podiumsdiskussion mit dem Publikum über das Thema „Das Netz als Gegenstand oder Ort für die politische Meinungsbildung?“ oder: „Wie kann das Netz ein konstruktiver Ort der demokratischen Meinungsbildung werden?“. Zentrale Aussage der Diskussion waren

  • Wenn Recht und empfundene Gerechtigkeit auseinander divergieren, werde das Recht hinterfragt. Dies sei gerade angesichts einer mangelnden Regelung im Internet der Fall und erfordere ein Gegensteuern durch eine bessere Rechtsdurchsetzung wie auch politischer Bildung zu den Werten, die für unsere Demokratie und demokratische Diskurse gelten sollten. Humor wurde dabei als besonders heikel identifiziert, da die Grenze zwischen Satire, Geschmacklosigkeit und dabei der Schutz der Würde der angesprochenen Menschen schwer einzuschätzen seien. Satire müsse aber unbedingt ausgehalten werden. Für eine zeitgemäße politische Bildung sei die Förderung von Medienkompetenz unverzichtbar.
  • Als Grundlage für die Bildungsarbeit in schulischen wie außerschulischen Handlungsfeldern sei allerdings noch Grundlagenforschung zu den konkreten Einflussfaktoren der politischen Meinungsbildung erforderlich. 
  • Um das Netz als konstruktiven Ort der Meinungsbildung zu stärken, sei die Förderung von (auch) intergenerationellen Diskursen zu den kontroversen Fragen der Zeit und die Reflexion von antidemokratischen Entwicklungen notwendig. Es seien aber auch strukturelle Voraussetzungen zu schaffen, wie die Kuratierung von Inhalten. Dabei sei eine Verpflichtung auf die Einhaltung des Grundgesetzes in den sozialen Medien und in diesem Sinne eine Regulierung der hier handlungsmächtigen Akteure notwendig.

Den inhaltlichen Schwerpunkt gab abschließend Canan Korucu, Co-Geschäftsführerin von ufuq.de und Leiterin im Bund-Länder-Projekt bildmachen, mit einem Einblick in aktuelle Praxisentwicklungen und sprach über Erfahrungen mit Memes in der politischen Bildungsarbeit. Memes ließen sich sehr schnell und einfach erstellen und böten eine hohe Anschlussfähigkeit an jugendkulturelle visuelle Gewohnheiten. Im Prozess der Meme-Erstellung in den Workshops würden Diskurse und Reflexionsprozesse angestoßen, so Korucu, gerade auch wenn Memes kontrovers und mehrdeutig seien.

Die Tagung wurde durch Fachzirkel durchbrochen und inhaltlich ergänzt. Hier konnten sich die Teilnehmenden in moderierten Kleingruppen mit dem Thema der Tagung auseinandersetzen, ihre Gedanken und Fragen einbringen sowie gemeinsam Aspekte herausarbeiten, die in die Podiumsdiskussion eingebracht werden konnten. 

Die Tagung endete mit einer Würdigung von 70 Jahren JFF. Kathrin Demmler, Direktorin des JFF, gab hierzu einen Rückblick mit den zentralen Meilensteinen des Vereins. In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des JFF e. V. schnitt Klaus Lutz die Jubiläumstorte an. 

Links zu den vorgestellten Projekten:

Im Nachgang werden die Vorträge als Videos zur Verfügung gestellt.

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Uta Löhrer

Uta Löhrer, Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (LpB Bayern)

Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Augsburg und University of Birmingham für das Lehramt an Gymnasien. Stationen nach dem Referendariat: Gymnasium Grafing (bis 2013), Lehrauftrag für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der LMU (2004-2006). Seit 2013 in der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Dort zuständig für Didaktik, Öffentlichkeit & neue Medien. 

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Canan Korucu: Politische Bildungsarbeit mit Memes. Erfahrungen und Perspektiven

Soziale Medien gewinnen als Ort der (politischen) Sozialisation von Jugendlichen an Bedeutung. Dabei lassen sich On- und Offline-Lebenswelten immer weniger voneinander abgrenzen. Neben informativen, unterhaltsamen und hilfreichen Inhalten begegnen ihnen dort auch Hate Speech, Verschwörungstheorien, Falschinformationen und Shitstorms. Rechte wie auch Islamist*innen nutzen das Internet, um Jugendliche anzusprechen und für ihre Ziele zu gewinnen. Dabei greifen sie auf Video-Plattformen und in Sozialen Medien Themen auf, die Jugendliche beschäftigen: Gemeinschaft und Identität, Gerechtigkeit und Geschlechterrollen, Politik und Gesellschaft, Religion und Zusammenleben.
Hier sind pädagogische Angebote gefragt, die für diese Phänomene sensibilisieren sowie Räume anbieten, um über Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismuserfahrungen sprechen zu können. Gleichzeitig sollen aber auch Kompetenzen gestärkt werden, um selbst Hintergründe zu recherchieren und eine eigene Position entwickeln zu können. Die aktive Nutzung von Sozialen Medien ist dabei ein Mittel, um Jugendlichen im Alltag auch jenseits von virtuellen Welten Erfahrungen von Anerkennung und Selbstwirksamkeit zu ermöglichen.
Die aktive Medienarbeit mit Memes bietet die Chance, mit jugendtypischen Fragen umzugehen und den Gesprächsbedarf in der Gruppe zu klären. So erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven zu erproben und sich zu positionieren, und setzen damit die Themen, die für sie relevant sind. Die Produktion von Memes ist in den Workshops mit Jugendlichen ein idealer Ansatz, um die Kommunikationsstrategien in solchen Bildern zu reflektieren: Wie drücke ich aus, was ich sagen will? Wem will ich etwas sagen? In welchem Kontext steht meine Botschaft? Wie verbreite ich meine Botschaft im Netz? Dieser Prozess fördert bei den Jugendlichen die Auseinandersetzung mit den für sie wichtigen Themen einerseits und den kompetenten Umgang mit von Dritten produzierten Memes sowie politischen Botschaften andererseits.
Der Vortrag will anhand von Praxisbeispielen aufzeigen, warum die Arbeit mit Memes in der Politischen Bildungsarbeit erfolgversprechend sein kann und worauf zu achten ist.

Canan Korucu, Co-Geschäftsführerin von ufuq.de und Leiterin im Bund-Länder-Projekt bildmachen

Sie hat Erziehungswissenschaften und Gender Studies in Berlin studiert und hat ein Aufbaustudium der Islamwissenschaften absolviert. Nach beruflichen Stationen der außerschulischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen zu den Themen antimuslimischer Rassismus sowie interreligiöser Dialog, war sie über vier Jahre an der Universität Bremen als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Den Schwerpunkt ihrer Forschung und Lehre bildete dabei die Analyse migrationsgesellschaftlicher Dominanz- und Differenzverhältnisse im Kontext von Migration, Gender und Islam. 

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Dr. Christian Zimmermann – Politische Bildung heute. Prinzipien und Herausforderungen

Dr. phil., M.A., Studienrat im Hochschuldienst für Sozialwissenschaften und ihre Didaktik am Seminar für Sozialwissenschaften der Universität Siegen; zuletzt Vertretungen einer Professur für Politische Bildung (W3) und einer Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften (W2) am Seminar für Sozialwissenschaften der Universität Siegen; zuvor Lehrkraft für Sozialkunde, Deutsch und Ethik an der Beruflichen Oberschule (FOSBOS) Marktheidenfeld (Bayern); Forschungs- und Interessenschwerpunkte: Theorie und Didaktik politischer Bildung, insbesondere kritischer politischer Bildung; Demokratietheorie, Kritische Theorie

Politische Bildung ist in der Demokratie zunächst in allgemeiner Hinsicht mit politischer Urteils- und Handlungsfähigkeit einer doppelten Zielbestimmung verpflichtet, in der das übergreifende Postulat politischer Mündigkeit zum Ausdruck kommt. Worin Aufgaben, Inhalte und Ziele politischer Bildung aber genau bestehen, kann nur vor dem Hintergrund demokratie- und gesellschaftstheoretischer Gegenwartsdiagnosen konkretisiert werden. In einer postdemokratischen Umgebung, in der Bürgerinnen und Bürger vermeintlich nur noch auf manipulative Signale reagieren, muss eine an Emanzipation und Demokratisierung orientierte politische Bildung anders agieren als in einer polarisierten Gesellschaft, in der insbesondere auch in sozialen Medien neue und kontroverse Formen politischer Kommunikation und politischer Partizipation erprobt werden. Der Vortrag wird Möglichkeiten und Grenzen politischer Bildung unter den Bedingungen der Gegenwart skizzieren und für eine dezidiert kritische Auffassung politischer Bildung plädieren. 

IdT19 – Politische Bildung heute. Prinzipien und Herausforderungen from jff_de on Vimeo.

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Prof. Dr. Thomas Knieper und Michael Johann – Vom politischen Bild zum politischen Internet-Meme. Die Bedeutung von Bildern in der Politischen Kommunikation

Prof. Dr. Thomas Knieper

Prof. Dr. Thomas Knieper ist Inhaber des Lehrstuhls für Digitale und Strategische Kommunikation an der Universität Passau. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen instruktionale Medien und interaktive Videos, Methoden der empirischen Online-Forschung, Social Media Research, Wahlkampfkommunikation, visueller Public Relations sowie Online-Marketing. Vor seinem Ruf an die Universität Passau war Thomas Knieper Lehrstuhlinhaber für Kommunikations- und Medienwissenschaften an der TU Braunschweig und Direktor der IWF Wissen und Medien gGmbH in Göttingen.

Michael Johann

Michael Johann, M.A. ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Digitale und Strategische Kommunikation an der Universität Passau. Er lehrt und forscht insbesondere zu den Themen Public Relations/Unternehmenskommunikation, Digitale Kommunikation und Politische Kommunikation. Er promoviert zur dialogorientierten Unternehmenskommunikation in den sozialen Medien.

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Programm der #idt19 ist online

15. Interdisziplinäre Tagung “Meinung Netz Diskurs” am 29.11.2019

Werden Meinungen im Netz nur proklamiert oder auch fundiert gebildet?
Welche Bedeutung kommt dabei netztypischen Diskursformen zu?

Die Vielzahl an Diskursen im Internet und der potenziell niedrigschwellige Zugang zu diesen sind zugleich Chance wie auch Herausforderung für die politische Meinungsbildung. Chancen bieten Online-Diskurse, weil sie Individuen und Gruppen außerhalb der Massenmedien eine enorme Reichweite verschaffen können. Auch lassen sich im Internet vielfältige Artikulationsformen nutzen (neben Texten auch Bilder, Memes, GIFs, Videos etc.).

Gesellschaftlich problematisch wird es aber, wenn Menschen im Internet nur noch Informationen suchen, die die eigene Meinung stützen und sich so vom öffentlichen Diskurs abkoppeln. Zudem stellt sich die Frage, welche Normen für den Diskurs und die Inhalte auf Online-Plattformen maßgeblich sind und sanktioniert werden.

Die interdisziplinäre Tagung zielt darauf ab, mit empirischen und konzeptionellen Beiträgen weiterführende Einblicke in Meinungsbildungsprozesse im Internet zu ermöglichen, Ansprüche an die politische Meinungsbildung zu reflektieren sowie Formen und Bedingungen aktueller Diskurse im Internet differenziert zu beleuchten.

0930 Anmeldung

1000 Grußworte

  • Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien 
  • Carolina Trautner, Staatssekretärin für Familie, Arbeit und Soziales, StMAS
  • Prof. Dr. Frank Fischer, Vorsitzender des JFF – Jugend Film Fernsehen e. V.

1020 Thematische Einführung mit Beispielen aus der medienpädagogischen Forschung

  • Dr. Niels Brüggen, Dr. Georg Materna, Eric Müller,  JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis

1040 Politische Bildung heute. Prinzipien und Herausforderungen

  • Dr. Christian Zimmermann, Philosophische Fakultät – Politikwissenschaft an der Universität Siegen (Abstract & Vita)

1105 Diskussion in Fachzirkeln mit anschließender Pause

1200 Aktuelle Auseinandersetzungen zur Diskurskultur im Netz und deren Bedeutung für die (politische) Meinungsbildung

Vom politischen Bild zum politischen Internet-Meme. Die Bedeutung von Bildern in der Politischen Kommunikation

  • Prof. Dr. Thomas Knieper & Michael Johann, Lehrstuhl für Digitale und Strategische Kommunikation der Universität Passau (Vitae)

Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Community-Standards – wer schützt was in Netzdiskursen?

1245 Nachfragen und Diskussion

1315 Mittagspause

1415 Die Podiumsteilnehmenden treffen die Fachzirkel

1445 Podiumsdiskussion: „Das Netz als Gegenstand oder Ort für die politische Meinungsbildung?“ oder: „Wie kann das Netz ein konstruktiver Ort der demokratischen Meinungsbildung werden?“

  • Dr. Christian Zimmermann
  • RA Chan-jo Jun
  • Michael Johann
  • Uta Löhrer, Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (LpB Bayern) (Vita)

1545 Einblicke in aktuelle Praxisentwicklungen. 

Politische Bildungsarbeit mit Memes. Erfahrungen und Perspektiven

  • Canan Korucu, Co-Geschäftsführerin von ufuq.de und Leiterin im Bund-Länder-Projekt bildmachen (Abstract & Vita)

1615 Abschluss der Tagung mit einer Würdigung von 70 Jahren JFF

1700 Ende der Veranstaltung

 Moderation: Nicole Lohfink

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