Programm der IdT18 “Kinder Rechte Medien” vom 30.11.2018

Kinder Rechte Medien

Neue Perspektiven auf Schutz, Befähigung und Partizipation in medialen Lebenswelten

Kinderrechte müssen auch in mediatisierten Lebenswelten respektiert werden – doch welche Konsequenzen folgen aus dieser Forderung? Gerade in digitalen Medienangeboten können sich Rechte auf Schutz und Teilhabe scheinbar unauflöslich gegenüberstehen. Lösungen derartiger Widersprüche sollen sich am Wohlergehen von Kindern und ihren wohlverstandenen Interessen orientieren und ebenso das Alter der Heranwachsenden und die sich entwickelnden Fähigkeiten berücksichtigen.

Mit Beiträgen aus der Medienethik, Rechtswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sozialen Arbeit und Medienpädagogik ermöglicht die Tagung einen umfassenden Blick darauf, welche Perspektiven sich aus einem kinderrechtlichen Ansatz für Medienpädagogik, -aufsicht und -politik ergeben.

Moderation: Nicole Lohfink

10.00 Anmeldung

10.30 Grußworte

10.50 Aktuelle Diskurse zu Kindern, Kinderrechten und Medien I
„Zwischen Selbstbestimmung, Fürsorge und Befähigung: Kinderrechte in mediatisierten Lebenswelten“
Dr. Ingrid Stapf, FAU Erlangen

11.15 Diskussion in Fachzirkeln

12.00 Aktuelle Diskurse zu Kindern, Kinderrechten und Medien II
„Eine rechtswissenschaftliche Einordnung von wohlverstandenen Interessen und dem Recht auf Beteiligung von Kindern“
Dr. Stephan Dreyer, Hans-Bredow-Institut an der Universität Hamburg

„Kinderrechte und Medien – die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen auf Chancen und Herausforderungen“
Prof. Dr. Katharina Gerarts, Evangelische Hochschule Darmstadt, Studiengang Childhood Studies

12.45 Nachfragen an die ReferentInnen und Diskussion

13.15 Mittagspause

14.15 Vertiefung der Diskussion in den Fachzirkeln

14.45 Podiumsdiskussion „Das Recht auf Partizipation und Schutz im Netz – Wie kann Schutz, Befähigung und die Förderung von Teilhabe in und mit Medien gestaltet werden?“

Daniela Tews, Referentin Medien in der Koordinierungsstelle Kinderrechte, Deutsches Kinderhilfswerk e. V.

Jutta Schirmacher, Leiterin des Referats Medienpädagogik und Nutzerkompetenz der BLM

Achim Lauber, Transferstelle Online-Kindermedien (JFF)

Birgit Guth, Leiterin Medienforschung SUPER RTL

Freier Stuhl zum Mitdiskutieren

15.45 Kinderrechte in der Praxis – Impuls und Diskussion
„Kinder. Bilder. Rechte. Ergebnisse der Studie der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk zu Persönlichkeitsrechten von Kindern im Kontext der digitalen Mediennutzung in der Familie“
Prof. Dr. Nadia Kutscher und Ramona Bouillon, Universität zu Köln

16.30 Abschluss der Tagung

-> Hier das Programm als PDF herunterladen.

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Daniela Tews

Daniela Tews ist Referentin Medien innerhalb der Koordinierungsstelle Kinderrechte im Deutschen Kinderhilfswerk, Berlin. Sie studierte BWL (FH), später Angewandte Kindheitswissenschaften (B.A.) und zuletzt den M.A. Childhood Studies and Children’s Rights an der FU. Ihre Themenschwerpunkte im Deutsche Kinderhilfswerk sind Kinderrechte in der digitalen Welt, unter anderem die Persönlichkeitsrechte sowie der Jugendmedienschutz.

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Achim Lauber

Achim Lauber ist Medienpädagoge und Kommunikationswissenschaftler. Nach dem Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften, der Soziologie und der Erziehungswissenschaften war er an der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig, am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis sowie bei der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und beim Erfurter Netcode e.V.  tätig. Seit 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Forschung des JFF und arbeitet im Büro Berlin des JFF. Zu seinen Schwerpunkten zählen medienpädagogische Forschung, Beratung und Praxistransfer. Er engagiert sich insbesondere für die Themen Sozialisation in der mediatisierten Gesellschaft, Medienaneignung, Kindermedienkulturen und Jugendmedienschutz.

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Jutta Schirmacher

Jutta Schirmacher ist stv. Bereichsleiterin Medienkompetenz und Jugendschutz und Referatsleiterin Medienpädagogik/Nutzerkompetenz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Zudem ist sie Stiftungsreferentin der Stiftung Medienpädagogik Bayern. Daneben ist sie u.a. Vorstandsmitglied des Vereins Internet ABC und Mitglied des Siegelausschusses des Erfurter Netcode. Seit 2016 ist sie Jurymitglied der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW). Zuvor war sie Projektreferentin der Stiftung Medienpädagogik Bayern und Referentin der Stabsstelle der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in München. Jutta Schirmacher hat Medienwissenschaft, Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg studiert und zuvor eine Ausbildung bei Hubert Burda Media zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste absolviert.

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Birgit Guth

Birgit Guth, geboren 1967, ist seit 1995 Leiterin der Medienforschung bei SUPER RTL. In ihrer Verantwortung liegen die Konzeption und Durchführung zahlreicher Studien zum Kinderfreizeit-Verhalten sowie zur Fernseh- und Mediennutzung von Kindern. Außerdem verantwortet sie zahlreiche Fachtagungen zum Thema „Kinder und Medien“ und referiert bei Fortbildungen oder als Lehrbeauftragte. Von 2001 bis 2008 war sie zusätzlich als Jugendschutzbeauftragte bei SUPER RTL tätig und leitete das Qualitätsmanagement des Senders. Birgit Guth hat Kommunikationswissenschaften, Germanistik und Marketing in Essen studiert. Sie engagiert sich zudem in verschiedenen medienpädagogischen Projekten, wie fragFINN, Media Smart und dem Erfurter Netcode. Außerdem ist sie Mitglied im Kuratorium der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen.

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Nicole Lohfink

Nicole Lohfink ist freischaffend in den Bereichen Moderation, Kunst und Medien und als medienpädagogische Referentin tätig. Sie studierte am Mozarteum in Salzburg und in Edinburgh und machte ihren Master in performing arts. Zudem  absolvierte sie ein journalistisches Volontariat und sammelte Erfahrung als Redakteurin bei verschiedenen Radio-Sendern, sowie als Moderatorin, Sprecherin und Voice over für Sender wie Arte u.a.. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren in medienpädagogischen Projekten, in denen Medienkompetenzen gefördert werden und arbeitet eng mit der Medienstelle Augsburg des JFF zusammen. Sie erhielt 2007 einen Förderpreis des Landes Hessen für den besten Nachwuchsdarsteller, war u.a. Gast am Bayerischen Staatsschauspiel und produziert auch eigene Bühnen-und Film-Projekte.

Ihre Moderationen umfassen u.a. Filmfestivals und Preisverleihungen, wie das Bayerische Kinder- und Jugendfilmfestival, regelmäßig das Schwäbische Kinder- und Jugendfilmfestival, den Deutschen Jugendfotopreis und regelmäßig den Augsburger Kinderfotopreis, außerdem Sportveranstaltungen mit Bezug zu Karate, wie die Bayerische Karate-Meisterschaft des DDK e.V. und allgemein Präsentationen, Conventions mit redaktionell-journalistischem Auftrag und Podiumsdiskussionen.

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Save the date: “Kinder Rechte Medien” 14. Interdisziplinäre Tagung am 30.11.2018 in München

Die diesjährige Interdisziplinäre Tagung über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten rückt Kinderrechte in ihrer Bedeutung für das Medienhandeln von Heranwachsenden und ihre Begleitung durch Erziehung und Schutz in den Fokus. Im interdisziplinären Diskurs geht sie der Frage nach, wie Kinderrechte das Verhältnis von Kindern und Medien prägen.

Veranstaltungsort ist wieder die Bayerische Landeszentrale für neue Medien. Veranstalter sind dieses jahr neben dem JFF und der BLM, das Deutsche Kinderhilfswerk (DKHW) und das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Weitere Informationen folgen hier im Blog.

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Wie ändert sich das Kinderspiel in digitalen Lebenswelten?

Kurzbericht zur ausgebuchten Interdisziplinären Fachtagung von JFF und BLM

(Foto Marko Junghänel)

Wie ändert sich das Kinderspiel in digitalen Lebenswelten? Diese Frage stand im Fokus der 13. Interdisziplinären Fachtagung am 1. Dezember, zu der mehr als 150 Teilnehmer_innen in die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) gekommen waren. Expert_innen aus Forschung und Praxis diskutierten fachübergreifend das Thema „Kinderspiel in digitalen Lebenswelten“. Seit dreizehn Jahren initiiert die BLM gemeinsam mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik den interdisziplinären Diskurs über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten. Die Tagung wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS).

Prof. Dr. Frank Fischer (Vorsitzender des JFF e.V.)

In der digitalen Lebenswelt eröffnen sich neue Gestaltungsmöglichkeiten und Bildungspotenziale für das Kinderspiel. Es sind aber auch viele Herausforderungen damit verbunden, z.B. mit Blick auf sogenannte Smart Toys und Datenschutz. BLM-Präsident Siegfried Schneider betonte in seinem Grußwort die generelle Bedeutung des Spielens für Kinder: „Spielen ist auch eine wichtige Dimension sozialen Handelns.“ Neben den vielfältigen Potenzialen digitaler Spielmedien müsse aber auch der Datenschutz angemessen berücksichtigt werden. Ministerialdirigent Stefan John (StMAS) verwies auf die Selbstverständlichkeit, mit der Kinder digitale Medien heute nutzen und unterstrich die Bedeutung der frühen Förderung von Medienkompetenz. Prof. Dr. Frank Fischer, Vor­sitzender des JFF, betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit, die Digitalisierung aktiv durch gute medienpädagogische Konzepte zu ge­stalten. Das bloße Bereitstellen von Technik reiche nicht aus, so Fischer.

Kathrin Demmler (Direktorin des JFF)

Mobile Medien sind fester Bestandteil des Familienalltags, jedoch seien sich Eltern ihrer Vorbildrolle oft nicht bewusst, berichtete Kathrin Demmler, Direktorin des JFF. Zusammen mit Gisela Schubert gab sie exklusive Einblicke in erste Ergebnisse der neuen JFF-Studie „Mobile Medien in der Familie II“. Medienerziehung in Kindertageseinrichtungen sei unabhängig vom Träger. Entscheidend sei die Haltung der Leitung. Unterstützt werden müsse aber die Entwicklung von kind- und zukunftsorientierten Konzepten in der Kita, lautete eine der Schlussfolgerungen aus der Studie.

Und wie unterscheidet sich das Spielen im analogen und digitalen Raum? „Besten­falls wird das digitale Spiel genutzt, um den analogen Raum zu reflektieren oder zu verändern“, erklärte die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Judith Ackermann, die den Wandel des Kinderspiels aus der kulturwissenschaftlichen Perspektive betrachtete. Welchen Einfluss die Raumqualität des Wohnumfeldes auf die Möglichkeiten des freien Spiels von Kindern hat, erläuterte Prof. Dr. Peter Höfflin von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Je schlechter die Aktionsraumqualität im Wohnumfeld sei, desto weniger Möglichkeit zum freien Spiel hätten Kinder in diesem Wohnumfeld, so Höfflin. Dabei identifizierte er aus Sicht der empirischen Sozialforschung vier Qualitätskriterien von Aktionsräumen für Kinder: Gefahrlosigkeit, Zugänglichkeit, Gestaltbarkeit und Interaktionschancen.

Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll (Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik)

Diskutiert wurde anschließend u.a. mit Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll, ob diese Kriterien auch auf digitale Spielräume angewendet werden können. Digitale Spielwelten seien leicht zugänglich, man könne die Gefahren – anders als auf einem realen Spielplatz – allerdings nicht leicht erkennen. Dies verunsichere Eltern wie auch Fachkräfte, warnte Verena Weigand, Bereichsleiterin Medienkompetenz und Jugendschutz der BLM. Sie sieht hier vor allem die Anbieter in der Pflicht, offenzulegen, was mit den Daten der Kinder passiert. Auch die Interaktionschancen mit smarten Spielzeugen würden mitunter unrealistisch beworben, merkte Dr. Niels Brüggen, Leiter der Abteilung Forschung des JFF, an: „Wenn es um die Interaktion mit anderen Kindern geht, gibt es in Deutschland wenige digitale Erprobungs- und Spielräume, da es wegen der dafür notwendigen Moderation schwierig ist, eine Finanzierung zu sichern.“

Was zeichnet ein gutes digitales Spielzeug aus? Laut Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut ist die Qualität des Spielens das entscheidende Kriterium. Ziel sei es, dass die Kinder das Spielzeug fantasievoll in ihr Spiel einbeziehen können. Außerdem müsse die Schwelle der Gestaltung niedrig sein, ergänzte Prof. Dr. Yasmin Kafai. Sie erforscht und entwickelt an der University of Pennsylvania digitale Welten und Werkzeuge für Kinder und Jugendliche. Kafai hat am Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Programmierumgebung Scratch mitentwickelt. Durch die eigenständige Entwicklung von (digitalen) Spielen könnten Kinder viel lernen, betonte die Wissenschaftlerin. Unter anderem werden dadurch z.B. ihre Problemlösungskompetenzen gefördert.

Dr. Dagmar Berwanger (StMAS)

Einig waren sich die Referent_innen, dass Medienpädagogik auch in der Ausbildung von Fachkräften der Frühpädagogik integriert werden sollte. Die stellvertretende Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik Eva Reichert-Garschhammer stellte abschließend gemeinsam mit Dr. Dagmar Berwanger (StMAS) die aktuellen Planungen im Freistaat Bayern vor. Ab 2018 sollen in einem breit angelegten Modellversuch in Kindertagesstätten geeignete medienpädagogische Konzepte erarbeitet sowie digital gestützte Beobachtungs- und Organisationsinstrumente erprobt werden. Die beiden Referentinnen beendeten die Veranstaltung mit dem Verweis auf den Leitsatz der Pädagogik: „Nicht die Technik bestimmt die Pädagogik, sondern die Pädagogik die Technik!“

 

Das Programm der 13. Interdisziplinären Tagung im Überblick finden Sie hier.

Hintergrundinformationen zur Studie „Mobile Medien in der Familie II“

Im Rahmen der aktuellen Studie Mobile Medien in Familien (MoFam) wurden 2017 pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen in Gruppeninterviews sowie Einrichtungsleitungen in Einzelinterviews befragt. Ziel der Befragung ist es, Wissen zur Bedeutung der Medien für Kinder im Alter von drei bis acht Jahren zu erhalten:

* Welche Rolle spielen mobile Medien und Internet in den Einrichtungen?
* Welche Einstellungen haben die Fachkräfte zu diesem Thema?
* Inwiefern ist Medienerziehung im pädagogischen Konzept verankert?
* Welchen Unterstützungsbedarf haben die Fachkräfte?

Der zweite Baustein besteht aus einem Familien-Medien-Monitoring. Zwanzig Familien mit Kindern im Alter von einem bis vier Jahren werden über vier Jahre begleitet. Ziel des Familien-Medien-Monitorings ist es, Erkenntnisse darüber zu erhalten, wie die Medienaneignung in den ersten Jahren verläuft sowie Anhalts­punkte dazu, welche Bedeutung dabei unterschiedliche Familiensettings haben können.

Weitere Informationen und Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier im Blog und Näheres zur MoFam-Studie hier: https://www.jff.de/kompetenzbereiche/fruehkindliche-medienbildung/details/mofam-mobile-medien-in-der-familie/

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