Dr. Michaela Kramer: In Erinnerungen scrollen – Zur Erinnerungsarbeit in sozialen Medien als Teil jugendlicher Identitätsentwicklung.

Das Verhältnis von Fotografie und Erinnerung wird gemeinhin als ein Festhalten vergänglicher Momente diskutiert. Die damit vorausgesetzte Objektivität beider Praxen täuscht jedoch darüber hinweg, dass zum einen fotografische Bilder Wirklichkeit nicht unmittelbar widerspiegeln und zum anderen Erinnerung ein komplexer Prozess ist, der sich in jeder Rezeptionssituation unterschiedlich gestalten kann. Einen spezifischen Wandel erfuhren fotoindizierte Erinnerungspraktiken durch die Verbreitung von Smartphones und Social Media Apps. So hat durch die Veralltäglichung der Fotografie ein rasanter Anstieg der entstehenden Bildmengen stattgefunden, die zur erneuten Reflexion genutzt werden können. Hinzu kommen plattformseitig eingeschriebene Möglichkeiten und Begrenzungen des individuellen Bildgebrauchs, die nun veränderte Erinnerungs- und Biografisierungsoptionen bieten. Anschließend an die Präsentation einer empirischen Studie zur Relevanz aktueller Fotopraktiken Jugendlicher für ihre alltägliche Identiätsarbeit diskutiert der Vortrag die Konzepte visueller Kompe­tenz und Biografizität als mögliche Ansatzpunkte der medienpädago­gischen Arbeit. 

Dr. Michaela Kramer, Erziehungswissenschaftlerin, FAU Erlangen-Nürnberg

Michaela Kramer arbeitet am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor war sie am Arbeitsbereich Medienpädagogik der Universität Hamburg tätig. Dort sowie an der Leuphana Universität Lüneburg studierte sie Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Im Jahr 2020 schloss sie ihre Promotion über Smartphone-Fotografie in der Adoleszenz ab. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mediensozialisations- und Identitätsforschung sowie visuelle Forschungsmethoden. 

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