Dr. Stephan Dreyer

Schmutz, Schutz und Teilhabe: Eine rechtswissenschaftliche Einordnung von wohlverstandenen Interessen und dem Recht auf Beteiligung von Kindern

Schutz und Teilhabe – kaum ein anderer Doppelklang ist in der Jugend- und Jugendmedienschutzpolitik derzeit so häufig zu hören wie dieser. Beide Aspekte sind normativ gerahmt, aus Sicht von Grund- und Menschenrechten garantiert und ihre Perspektiven für die Gestaltung von Kindheit in digitalen Medienumgebungen essenziell. Und doch können sich Schutz und Teilhabe widersprechen oder auf unterschiedlichen Ebenen (Erziehung, Bildung, Mediennutzung, Produktion, politische Partizipation uvm.) ganz unterschiedlich starke Ausprägungen erfahren, z.B. bei Fragen wie: Sollen Heranwachsende über Art und Ausmaß des sie selbst betreffenden Ordnungsrahmens (inkl. Jugendschutz) mitbestimmen? Sind sie an der Ausgestaltung moderner Medienerziehung und Medienbildung zu beteiligen? Welche Möglichkeiten bieten Teilhaberechte bei der Überwindung praxisferner, kommunikationseinschränkender Rechtsnormen oder medienhandlungsbezogener Elternverbote? Hilft der Ansatz eines Rechts auf “unbeschwerte Teilhabe” bei der Integration der beiden Aspekte?

Der Vortrag will mehr Licht in das Dickicht der beiden unterschiedlichen Schutzgehalte, ihren kongruenten wie inkongruenten Teilmengen und Schnittbereichen bringen und Leitlinien für die Optimierung ihrer Geltungskraft in der Praxis entwickeln.

 

Dr. Stephan Dreyer ist Senior Researcher für Medienrecht und Media Governance am Hans-Bredow-Institut. Das Forschungsinteresse des Juristen gilt den regulatorischen Aspekten medienvermittelter Kommunikation in einer datafizierten Gesellschaft; er analysiert Herausforderungen, denen sich rechtliche Steuerung angesichts neuer Technologien, Angebotsstrukturen und Nutzungspraktiken gegenüber sieht. Ein Augenmerk liegt dabei auf den Möglichkeiten und Grenzen von Transparenz-/Informationspflichten als Steuerungsressource. Stephan Dreyer ist ein Experte für rechtliche Fragestellungen im Schnittbereich von Jugendschutz und Datenschutz. Zudem führt er steuerungswissenschaftlich orientierte sowie komparative Untersuchungen von Systemen und Instrumenten informations- und kommunikationsbezogener Governance durch. Im Rah­men seiner Dissertation hat er die Problematik sowie die rechtlichen Determinanten von rechtlichen Entscheidungen unter Ungewissheit im Jugendmedienschutz untersucht. Er ist seit 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hans-Bredow-Institut tätig.

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