Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur 10. Interdisziplinären Fachtagung „Alles unter Kontrolle“

Zehn Jahre Interdisziplinäre Fachtagung sind eine gute Gelegenheit zurückzublicken: auf zehn zukunftsweisende Themen, auf zehn Jahre Vernetzung der Medienpädagogik mit anderen Professionen und nicht zuletzt auch auf zehn Jahre Zusammenarbeit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Zehn Jahre Interdisziplinäre Fachtagung sind auch ein Grund ein bisschen zu feiern – und es freut mich sehr, dass wir das am 27. November im Jüdischen Museum in München auch tun: Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Aufwachsen unter digitalisierten Bedingungen: Herausforderungen für Pädagogik, Politik und Regulierung“ steigen wir in das diesjährige Thema „Alles unter Kontrolle? Interdisziplinäre Zugänge zum Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft“ ein.

Am Tagungstag selbst, dem 28. November, beschäftigen sich die Teilnehmer in der BLM intensiver mit der Materie, die man plakativ auch mit dem Schlagwort „Big Data und seine Folgen“ zusammenfassen kann. Medienkompetenz spielt in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Denn ob man es will oder nicht, ob man den Like-Button bei Facebook drückt, bei Amazon shoppt oder etwas googelt: alle diese Tätigkeiten hinterlassen Spuren und produzieren Daten. Die Summe aller Daten im Internet verdoppelt sich laut einer Analyse der International Data Corporation derzeit etwa alle zwei Jahre. Die daraus entstehenden Zahlen-Konglomerate sind schwindelerregend hoch und von jedem einzelnen nicht unter Kontrolle zu bekommen. Selbstverständlich kann das Sammeln und Auswerten großer Datenmengen auch Entwicklungen und Zusammenhänge deutlich machen, beispielsweise im Gesundheitswesen oder in der Verkehrsplanung. Dennoch muss Big Data Grenzen haben. Nämlich dann, wenn menschliche Entscheidungen dadurch zu sehr beeinflusst und automatisiert werden – oder, anders ausgedrückt, wenn es um „Data-Mining“ geht. Zum Beispiel analysieren Algorithmen Facebook-Likes, um persönliche Ansichten und Vorlieben einzelner Mitglieder zu identifizieren. So schließt Facebook auf politische Einstellungen, auf Wertvorstellungen und auf das Verbraucherverhalten seiner Mitglieder…

Deshalb brauchen wir Datenschutz und müssen Datenmissbrauch verhindern. Mit einer entsprechenden europaweiten Gesetzgebung, die gerade verhandelt wird, kann Big Data eine große Chance sein. Was wir brauchen, ist eine Art Informationsökosystem, in dem jeder die Verwendung seiner persönlichen Daten selbst in der Hand hat und anonymisierte Daten für alle nutzbar zur Verfügung stehen. So hätte jeder einzelne mehr Kontrolle über seine Daten. Gleichzeitig würden mehr Transparenz möglich, mehr Teilnahme, mehr Wachstum und eine bessere Steuerung von komplexen sozialen Systemen in unserer digitalen Gesellschaft.

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