#idt15 in FIBS – Anerkennung als Fortbildung für bayerische Lehrkräfte

Die Tagung „.medien ..konsum …kultur“ ist unter dem Aktenzeichen E616-0/15/IdT15 in der Datenbank FIBS (Fortbildung in bayerischen Schulen) veröffentlicht. Bayerische Lehrkräfte können über die Fortbildungsdatenbank die Genehmigung einer Dienstbefreiung für die Veranstaltung durch die Schulleitung beantragen. (Mehr zum Verfahren in den FAQ)

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„.medien ..konsum …kultur“ – das Themenfeld der 11. Interdisziplinären Tagung #idt15

Kinder und Jugendliche begeben sich mit Faszination und Begeisterung in mediale Räume. Diese bieten Möglichkeiten zu interagieren, eigene Interessen zu verfolgen oder sich zu artikulieren und sich mit anderen zu vernetzen. Dabei bewegen sich Heranwachsende zu großen Teilen in Räumen, die von kommerziellen Anbietern geprägt sind. Das Medienhandeln ist damit meist auch ein Konsumhandeln. Mediale Räume verändern somit nicht nur Kommunikations- und Interaktionsstrukturen, sondern auch das Konsumverhalten der Nutzenden.

Auf der 11. Interdisziplinären Tagung wird der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu den Zusammenhängen zwischen Medienhandeln und Konsumhandeln diskutiert und für die Praxis in unterschiedlichen pädagogischen Feldern zugänglich gemacht werden. Dazu laden wir Sie am 04. Dezember 2015 herzlich nach München ein!

Das Programm für die #IdT15 am 04. Dez ’15 steht…

Moderation: Daniela Arnu (Bayerischer Rundfunk)

10.00 Anreise

10.30 Grußwort
Siegfried Schneider (BLM)

10.40 Aufwachsen im Medienkommerz. Eine Einführung (Abstract)
Prof. Dr. Bernd Schorb (JFF e.V.)
(Videodokumentation: https://videoonline.edu.lmu.de/de/node/7448)

11.15 Digitales Leben im kulturellen Kapitalismus: Vier Theorieperspektiven (Abstract)
Prof. Dr. Jörn Lamla (Universität Kassel)
(Videodokumentation: https://videoonline.edu.lmu.de/de/node/7449)

11.50 Was machen Produkte mit uns – und was können wir mit ihnen machen? (Abstract)
Prof. Dr. Wolfgang Ullrich

12.25 gemeinsame Diskussion

13.30 Mittagspause

14.15 Zwischen Verlockung und Verantwortung. Verbraucherbildung als gesellschaftliche Aufgabe (Abstract)
Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies (Universität Paderborn)

14.45 Herausforderungen für die Pädagogik zwischen Markt, Medien und erzieherischen Aufgaben
Dr. Claudia Lampert (Hans-Bredow-Institut Hamburg), Niels Brüggen (JFF), Oliver Hengstenberg (Mobile Expert, Cribster, München), Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies (Universität Paderborn)

16.15 Ende der Tagung

Die Anmeldung zur Tagung ist hier möglich!

Ankündigungstext der Tagung

Kinder und Jugendliche begeben sich mit Faszination und Begeisterung in mediale Räume. Diese bieten Möglichkeiten zu interagieren, eigene Interessen zu verfolgen oder sich zu artikulieren und sich mit anderen zu vernetzen. Dabei bewegen sich Heranwachsende zu großen Teilen in Räumen, die von kommerziellen Anbietern geprägt sind. Das Medienhandeln ist damit meist auch ein Konsumhandeln. Mediale Räume verändern somit nicht nur Kommunikations- und Interaktionsstrukturen, sondern auch das Konsumverhalten der Nutzenden.

Auf der 11. Interdisziplinären Tagung wird der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu den Zusammenhängen zwischen Medienhandeln und Konsumhandeln diskutiert und für die Praxis in unterschiedlichen pädagogischen Feldern zugänglich gemacht werden.

 

Download-Angebot zur Tagung:

Kalender-Datei (ics): medien_konsum_kultur—IdT15

Flyer (pdf): ID15_Flyer_medien.konsum.kultur

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Wenn die Flut kommt – #IdT14 nimmt Big Data und seine Folgen für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in den Blick

IdT14_Header_blogJeden Tag wird alleine über Google 6000 Mal das Datengedächtnis der USA verarbeitet. Die Auswertung solch riesiger Datenmengen – Big Data genannt – beeinflusst alle Lebensbereiche. Kinder und Jugendliche in diese Welt zu begleiten, stellt Eltern, pädagogische Fachkräfte und gesellschaftliche Akteure vor neue Herausforderungen. „Alles unter Kontrolle?“, fragte deshalb die 10. Interdisziplinäre Tagung nach, die am 28. November in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) stattfand. Einen Tag lang diskutierten 150 Teilnehmende aus Forschung und Praxis fachübergreifend das Thema „Interdisziplinäre Zugänge zum Aufwachsen in einer digitalen Gesellschaft“. Sie folgten der Einladung des JFF – Institut für Medienpädagogik und der BLM. Gefördert wurde die Tagung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

MainzerDie Zukunft gehört einer Arbeitswelt, in der nicht mehr nur Menschen, sondern auch Werkstücke miteinander in Kontakt sind: Welche Folgen Big Data hat, verdeutlichte der Wissenschaftsphilosoph Professor Klaus Mainzer in seinem Einstiegsreferat. Dabei zeichnete er ein Bild der soziotechnischen Welt, in die Kinder und Jugendliche hineinwachsen. „Das Internet, das wir alle kennen und nutzen, ist ein Computernetz, bei dem Menschen miteinander kommunizieren“, sagt der Forscher der TU München. In der Zukunft, die er „Industrie 4.0“ nennt, kommunizierten verstärkt die Dinge miteinander. Die Datenflut brauche Reflexion, Theorie und Gesetze, damit „eine immer komplexere und von Automatisierung beherrschte Welt nicht aus dem Ruder läuft“.

Wie sich die Digitalisierung der Gesellschaft aus Sicht der Kinder und Jugendlichen darstellt und welche Herausforderungen für ein möglichst selbstbestimmtes Aufwachsen damit verbunden sind, skizzierte die Direktorin des JFF Dr. Ulrike Wagner: „Die Integrität für die eigene Person herstellen und die Partizipationsmöglichkeiten auszuschöpfen bilden zwei zentrale Aspekte des Heranwachens.“ Fragen von Jugendlichen an ihre Zukunft in der digitalen Gesellschaft stellte Niels Brüggen vom JFF mit einem Einblick in das Projekt „Jugend erforscht die digitale Gesellschaft“ vor.

Die Herausforderungen auf ethischer Seite skizzierte im Anschluss der Medienethiker Professor Alexander Filipovic von der Münchner Hochschule für Philosophie. Wo der Mensch seine persönlichen Daten ans Netz verkaufe, werde er zur Ware, lautete eine seiner Thesen. „Dieser ökonomische Gedanke wird den Heranwachsenden auf der DNA-Ebene eingepflanzt.“ Filipovic warnte vor den Folgen der Datenökonomie, vor den Überwachungs- und Vorhersagestrukturen, die durch Big Data möglich würden. Als Beispiel nannte er die Freigabe von persönlichen Bewegungsprofilen im Netz. Eine solche Öffentlichkeit nach dem Motto „Ich habe ja nichts zu verbergen“ befördere anti-solidarische Potenziale. „Autonomie steht im digitalen Zeitalter neu zur Debatte“, sagte Filipovic.

KreutzerWer sich in digitalen Räumen bewegt, braucht Schutz durch den Gesetzgeber – doch was, wenn sich das Gesetz gegen die Nutzer richtet? Der Rechtsanwalt und Publizist Dr. Till Kreutzer diskutierte mit dem Podium die Herausforderungen des Urheber- und Datenschutzrechts. Er machte klar, wie das Urheberrecht in seiner bisherigen Form zu einer „Verrechtlichung des Alltags“ führe, die für Heranwachsende wie für ihre Eltern oder Erziehenden völlig undurchschaubar geworden sei. „Würde ein Nutzer alle AGBs lesen, die hinter dem Button ´Akzeptieren´ stehen, benötigte er dafür acht volle Tage im Jahr.“ Laien könnten all dies nicht mehr durchschauen, Medienkompetenz alleine reiche dafür nicht mehr. Kreutzer plädierte eindringlich für eine Reform des Datenschutz- und Urheberrechts zu einer „Straßenverkehrsordnung des Internets“, um beispielsweise den Umgang mit Bildern oder gestreamten Videos zu vereinfachen.

Wie sehr die Verrechtlichung des Alltags Medienpädagogik behindert, das konnte Klaus Lutz, pädagogischer Leiter am Nürnberger Medienzentrum Parabol, mit Beispielen belegen. Etwa mit dem einfachen Foto einer erfolgreichen Volleyballklasse, das seit langem darauf war, seinen Platz auf der Internetseite der Schule zu finden. Doch der Rektor gebe das Bild nicht frei, weil nicht alle Eltern dazu eine schriftliche Einwilligung abgegeben hätten, erzählte Lutz. „Jugendliche sind als Produzenten am täglich wachsenden Datenstrom beteiligt“, sagte Lutz. Verbieten lasse sich da nichts. „Wir müssen als Medienpädagogen mit diesem Spagat leben.“

„Medienkompetenz darf sich nicht nur an Kinder und Jugendliche richten“, sagte BLM-Präsident Siegfried Schneider zu Beginn der Tagung. „Sie muss auch die Älteren mitnehmen.“ JFF-Direktorin Ulrike Wagner erweitert diese Ansicht: „Wir dürfen nicht bei den Heranwachsenden stehen bleiben, sondern müssen das erzieherische Umfeld und die pädagogischen Fachkräfte mit einbeziehen sowie Akteure aus der Politik und den Medien für die Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen gewinnen. Dazu ist es wichtig, Diskurse wie diesen heute zu initiieren“. „Der Mensch muss in den Mittelpunkt gestellt werden“, betonte der Vorsitzende des JFF, Professor Bernd Schorb. Die Jugendlichen hätten ein Recht auf den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte in den Medien.

Voneinander lernen und Wissen teilen: Seit zehn Jahren bringt die Interdisziplinäre Tagung human- und sozialwissenschaftliche Disziplinen zusammen, um auf wissenschaftlicher Basis über pädagogische Arbeit zu reden. Dabei stehen spezifische Zielgruppen genauso im Blickfeld wie mediale Entwicklungen mit gesellschaftlicher Bedeutung. „Die Dringlichkeit solcher Auseinandersetzungen wächst, je intensiver mediale Techniken und Strukturen in das private und öffentliche Leben Eingang finden“, betonte Professorin Helga Theunert, bis 2010 JFF-Direktorin und Mitbegründerin der Tagung. „Der Anspruch an solche Diskursräume besteht fort.“

#idt14 JubiläumsempfangAm Vorabend der Tagung wurde das Jubiläum der Tagung mit einem Empfang im Jüdischen Museum München feierlich begangen. Auf dem Podium diskutierten Kathrin Demmler, Direktorin des JFF, Siegfried Schneider, Präsident der BLM, Anne-Kathrin Kaelcke vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und Dr. Markus Reipen vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS) die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft für Regulierung, Politik und Pädagogik. Finanziell unterstützt wurde der Empfang vom StMAS und der Landeshauptstadt München.

Die Vorträge stehen wenige Tage nach der Tagung im Tagungsblog im Medienbereich zur Verfügung.

 

Programm für das Jubiläum am 27.11.2014

Das 10-jährige Jubiläum der Interdisziplinären Tagung wird am Donnerstag, den 27. November 2014, im Rahmen einer Diskussionsrunde und eines Stehempfangs begangen.

19.00      Grußwort. Prof. Dr. Bernd Schorb, Vorsitzender JFF e.V.

19.15      Podiumsdiskussion. Aufwachsen unter digitalisierten Bedingungen: Herausforderungen für Pädagogik, Politik und Regulierung
Siegfried Schneider BLM, Kathrin Demmler JFF, Dr. Markus Reipen StMAS, Thomas Salzmann BMFSFJ
Moderation: Ulrike Ostner (Bayerischer Rundfunk)

20.45          Stehempfang

 

Der Empfang wird zusätzlich durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sowie die Landeshauptstadt München unterstützt.

Veranstaltungsort:
Jüdisches Museum München
St.-Jakobs-Platz 16
80331 München
www.juedisches-museummuenchen.de

Hinweis! Eine namentliche Anmeldung ist für den Zutritt zum Veranstaltungsort unbedingt erforderlich. Bitte weisen Sie bei der Anmeldung gesondert aus, dass Sie am Jubiläumsempfang teilnehmen wollen.

Impressionen der Veranstaltung:

Kurzfristige Programmänderung für Freitag

Wir gratulieren Frau Prof. Dr. Tanja Thomas herzlich zu ihrem Ruf an die Universität Tübingen! Leider hat dieser aber auch Folgen für die diesjährige Interdisziplinäre Tagung. Denn Frau Thomas erhält am Freitag ihre Berufungsurkunde und muss hierzu in Tübingen vor Ort sein. Entsprechend entfällt der Beitrag Subjekte zwischen Er- und Entmächtigungserfahrungen: Herausforderungen in gegenwärtigen Medienkulturen von Frau Thomas.

Folgende Änderungen im Programm ergeben sich daraus:

  • Der Vortrag von Dr. Ulrike Wagner wird auf den Vormittag an die Stelle des Beitrags von Frau Thomas gelegt.
  • Zum Einstieg in die Kurzinputs und Diskussion nach der Mittagspause wird mit einer Kurzpräsentation des Projekts „Jugend erforscht die Digitale Gesellschaft“ die Perspektive von Jugendlichen auf aktuelle Entwicklungen der digitalen Gesellschaft vorgestellt.
  • Für die Beiträge und Diskussion am Nachmittag steht ein größerer Raum zur Verfügung.
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Aktualisiertes Programm der Tagung am 28.11.2014

Moderation: Ulrike Ostner (Bayerischer Rundfunk)

10.00     Anreise

10.30     Die Veranstaltenden im Gespräch.

10.45     Die Berechnung der Welt? Big Data im Zeitalter der Digitalisierung
(Prof. Dr. Klaus Mainzer, TU München)

11.15     entfällt Subjekte zwischen Er- und Entmächtigungserfahrungen: Herausforderungen in gegenwärtigen Medienkulturen
(Prof. Dr. Tanja Thomas, Universität Bremen)

Bedingungen des Aufwachsens im Spannungsfeld von Kontrolle und Transparenz. Zentrale Herausforderungen für die Medienpädagogik.
(Dr. Ulrike Wagner, JFF)

11.45     Nachfragen und Diskussion

12.15     Mittagspause

13.30     Fragen von Jugendlichen an die Zukunft der digitalen Gesellschaft. Einblicke in das Projekt „Jugend erforscht die Digitale Gesellschaft“
(Niels Brüggen, JFF)

13.45     Kurzinputs von und Diskussion mit Expertinnen und Experten:

–  Prof. Dr. Alexander Filipovic, Hochschule für Philosophie München
–  Dr. Till Kreutzer, i.e. Büro für informationsrechtliche Expertise, irights.law.de
–  Klaus Lutz, Medienzentrum Parabol Nürnberg

15.45    Wissen teilen! Interdisziplinarität als Realutopie.
(Prof. Dr. Helga Theunert)

16.00   digitaler Ausklang

 

Im Anschluss an die Veranstaltung findet um 19.00 Uhr in der Villa Stuck die Preisverleihung des mobile clip festivals statt. Weitere Informationen dazu unter www.mobileclipfestival.de

 

Ankündigungstext zur Tagung

Persönlichkeitsrechte und demokratische Grundrechte werden in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft aktuell grundlegend in Frage gestellt. Souverän und selbstbestimmt sein Leben zu gestalten, sich genussvoll mit kulturellen, sozialen oder auch politischen Themen zu beschäftigen und für die eigene Lebensführung selbstsicher informierte Entscheidungen zu treffen – dieses Ideal mündiger Bürgerinnen und Bürger erscheint mit Blick auf die immer weiter voranschreitende Durchdringung nahezu aller Lebensbereiche mit digitalen und vernetzen Medien immer schwieriger zu erreichen – gerade weil die Angebote der Medienwelt auf der einen Seite ständig verfügbar sind und auf der anderen Seite ihre Strukturen gleichzeitig immer undurchschaubarer werden.

Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebens- und Gesellschaftsbereiche mit Medien wirft immer neue Fragen danach auf, wie Kinder und Jugendliche im Aufwachsen und ihrem Wohlergehen unterstützt werden können:

Welche Perspektive haben Heranwachsende selbst auf eine zunehmend mediatisierte und digitalisierte Gesellschaft?

Wie können Erwachsene – Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern aber auch zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure – Kinder und Jugendliche beim Aufwachsen im Sinne der Gestaltung eines souveränen und möglichst selbstbestimmten Lebens unterstützen?

Mit welchen Akteurinnen und Akteuren sollte die Pädagogik zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen?

Die interdisziplinäre Tagungsreihe des JFF regt zu einem fachübergreifenden Diskurs über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten an, bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen Aspekte des Medienhandelns von Heranwachsenden unter aktuellen gesellschaftlichen und medialen Bedingungen zu beleuchten.

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Band 8 2014 – vernetzt_öffentlich_aktiv Mobile Medien in der Lebenswelt von Jugendlichen

Diskurse13_t klein‚Immer on‘ und ‚immer da und zugleich woanders‘. Die 9. Interdisziplinäre Tagung beschäftigt sich mit der Bedeutung mobiler Medien im Alltag von Heranwachsenden. Dank Smartphone, Tablet & Co. ist Kommunikation mit der Peergroup, den Eltern etc. nahezu unabhängig von Ort und Zeit möglich. Jeder Moment kann als Foto oder Kurznachricht geteilt werden. Und auch die Recherche von Informationen und Meinungen oder der Zugriff auf Medienangebote sind möglich, wo immer ein Netzzugang besteht. Zugleich sind die Datenströme der Geräte ebenfalls ‚immer on‘ und für Nutzende kaum zu kontrollieren. Die zunehmende Mobilität von Medien(handeln) bringt als Sozialisationsbedingung für Jugendliche also Chancen und Herausforderungen mit sich.

 

Für die Medienpädagogik ergeben sich daraus unter anderem folgende Fragen:
_ Wie verändert sich die Erfahrung von (öffentlichen und privaten) Räumen, wenn über Datenflüsse bewusst oder unbewusst der Raum entgrenzt wird?
_ Wie aktiv können Jugendliche diese Bedingungen ihres Aufwachsens
mitgestalten?
_ Wie können adäquate pädagogische Ansätze aussehen?

Ziel der Tagung war es, aus interdisziplinären Einblicken zur Bedeutung mobiler Medien für Sozialisation Folgerungen für die medienpädagogische Arbeit in Praxis, Forschung und Aufsicht zu ziehen. Dazu gab es Vorträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der verschiedenen Disziplinen, aber auch interaktive Diskussionsrunde, Impulsvorträge und offene Podien. Die verschiedenen Beiträge und Ergebnisse sind in diesem Band zusammengefasst.

Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur 10. Interdisziplinären Fachtagung „Alles unter Kontrolle“

Zehn Jahre Interdisziplinäre Fachtagung sind eine gute Gelegenheit zurückzublicken: auf zehn zukunftsweisende Themen, auf zehn Jahre Vernetzung der Medienpädagogik mit anderen Professionen und nicht zuletzt auch auf zehn Jahre Zusammenarbeit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Zehn Jahre Interdisziplinäre Fachtagung sind auch ein Grund ein bisschen zu feiern – und es freut mich sehr, dass wir das am 27. November im Jüdischen Museum in München auch tun: Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Aufwachsen unter digitalisierten Bedingungen: Herausforderungen für Pädagogik, Politik und Regulierung“ steigen wir in das diesjährige Thema „Alles unter Kontrolle? Interdisziplinäre Zugänge zum Aufwachsen in der digitalen Gesellschaft“ ein.

Am Tagungstag selbst, dem 28. November, beschäftigen sich die Teilnehmer in der BLM intensiver mit der Materie, die man plakativ auch mit dem Schlagwort „Big Data und seine Folgen“ zusammenfassen kann. Medienkompetenz spielt in dem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Denn ob man es will oder nicht, ob man den Like-Button bei Facebook drückt, bei Amazon shoppt oder etwas googelt: alle diese Tätigkeiten hinterlassen Spuren und produzieren Daten. Die Summe aller Daten im Internet verdoppelt sich laut einer Analyse der International Data Corporation derzeit etwa alle zwei Jahre. Die daraus entstehenden Zahlen-Konglomerate sind schwindelerregend hoch und von jedem einzelnen nicht unter Kontrolle zu bekommen. Selbstverständlich kann das Sammeln und Auswerten großer Datenmengen auch Entwicklungen und Zusammenhänge deutlich machen, beispielsweise im Gesundheitswesen oder in der Verkehrsplanung. Dennoch muss Big Data Grenzen haben. Nämlich dann, wenn menschliche Entscheidungen dadurch zu sehr beeinflusst und automatisiert werden – oder, anders ausgedrückt, wenn es um „Data-Mining“ geht. Zum Beispiel analysieren Algorithmen Facebook-Likes, um persönliche Ansichten und Vorlieben einzelner Mitglieder zu identifizieren. So schließt Facebook auf politische Einstellungen, auf Wertvorstellungen und auf das Verbraucherverhalten seiner Mitglieder…

Deshalb brauchen wir Datenschutz und müssen Datenmissbrauch verhindern. Mit einer entsprechenden europaweiten Gesetzgebung, die gerade verhandelt wird, kann Big Data eine große Chance sein. Was wir brauchen, ist eine Art Informationsökosystem, in dem jeder die Verwendung seiner persönlichen Daten selbst in der Hand hat und anonymisierte Daten für alle nutzbar zur Verfügung stehen. So hätte jeder einzelne mehr Kontrolle über seine Daten. Gleichzeitig würden mehr Transparenz möglich, mehr Teilnahme, mehr Wachstum und eine bessere Steuerung von komplexen sozialen Systemen in unserer digitalen Gesellschaft.