Michael Gurt „Mediale Figuren und Themen der 10- bis 14-Jährigen im Fernsehen“

Mädchen und Jungen zwischen zehn und 14 Jahren sind auf der Schwelle zum Jugendalter, manche eher noch Kinder, andere längst im Teenagerleben angekommen. In diesem „Zwischenalter“ werden im Medienhandeln Entwicklungsthemen bearbeitet, es geht aber auch darum, Eigenständigkeit zu entwickeln und sich vom Geschmack der Erwachsenen abzugrenzen, sowohl inhaltlich als auch formal. Das spiegelt sich in den Film- und Fernsehvorlieben dieser Altersgruppe wider: Es geht um Filmheldinnen und –helden, die in dystopischen Welten um ihre Freiheit und eine lebenswerte Zukunft kämpfen aber auch um Gruppenzugehörigkeit und Bewährungsproben. Es geht um existenzielle Fragen und die Unbedingtheit der romantischen Liebe.

Wichtig sind aber auch Inszenierung von Weiblichkeit und Männlichkeit, zum Beispiel in Casting- und Scripted-Reality-Shows oder Datingformaten a’la Der Bachelor. In der FLIMMO-Kinderbefragung zu Berlin – Tag und Nacht etwa zeigte sich, wie solche Formate in Bezug zum eigenen Lebensumfeld, zu Verhaltensweisen und eigenen Erfahrungen gesetzt werden. Dabei beschäftigen sich die Heranwachsenden sehr intensiv mit der Ausgestaltung von Beziehungen und der Frage, wie Männer bzw. Frauen sich in der Gesellschaft verhalten (sollten).
Nicht zuletzt spielt der Humor für diese Altersgruppe eine zentrale Rolle. Schräg, provokant und unbequem, wie etwa in den Zeichentrickserien South Park, Family Guy oder in der Figur Borat des englischen Komikers  Sacha Baron Cohen soll es sein. Auch sogenannte „Prank-Videos“, in denen böse Streiche für Erheiterung sorgen, sind schwer angesagt. Entsprechende YouTube-Kanäle sind neben „Let’s Plays“ und „Schminktipp-Videos“ der Renner. An diesen Beispielen zeigt sich, dass für diese Zielgruppe die Rezeption von Bewegtbildinhalten längst mehr ist als Film und Fernsehen. Die favorisierten Inhalte werden auf Videoportalen und sozialen Netzwerken angeschaut, geteilt, geliked und kommentiert. Die Rezeption findet online und mobil statt und ist in vielfältige Kommunikations- und Interaktionsformen integriert. Auch in dieser spezifischen Ausprägung des Medienhandelns kann eine Form der Abgrenzung von bewährten Mustern identifiziert werden, die für diese Altersgruppe typisch ist.

Bild von Michael GurtMichael Gurt wurde 1970 in Nürnberg geboren. Nach Abschluss seines Magisterstudiums in den Fächern Medienpädagogik, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Psychologie an der Universität Augsburg und Praktika im Bereich Filmbildung ist er seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter am JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Materialentwicklung, medienpädagogische Beratung und Wissenstransfer. Als Redaktionsleiter der Programmberatung „FLIMMO – Fernsehen mit Kinderaugen“ ist er verantwortlich für die Durchführung und konzeptionelle Weiterentwicklung des Projekts FLIMMO. Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen für Studierende und pädagogische Fachkräfte sowie Workshops mit Eltern und Kindern und Elternabende zum Thema „Medien in der Familie“ gehören ebenso zu seinen Tätigkeitsfeldern. Er ist Jurymitglied beim bayrischen Jugendfilmfest JuFinale seit 2006 und Mitglied des Siegelausschuss des Erfurter Netcode.

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