Maria von Salisch „Entwicklungsaufgaben und Peer-Beziehungen im frühen Jugendalter“

Thesen

  1. Die körperlichen Veränderungen des Jugendalters umfassen eine Reihe von öffentlich sichtbaren und unsichtbaren Prozessen – inklusive einem Umbau der Hirnverschaltungen – die bei weiblichen Jugendlichen in der Regel etwas früher einsetzt als bei ihren männlichen Altersgenossen. Hinzu kommt, dass bei manchen Jugendlichen die Pubertät relativ früh anfängt, während andere lange auf die ersten Anzeichen warten müssen. Insgesamt schafft dies eine große Heterogenität in der Gruppe der 10-13 Jährigen, vor allem was das körperliche Erscheinungsbild angeht.

  2. Der Umbau des eigenen Körpers in der Pubertät will verarbeitet werden. Neben der Erschütterung, den das ungesteuerte Wachstum einzelner Körperteile und die neuen Körperempfindungen auslösen, kommen Fragen nach der sozialen Bewertung dieser Veränderungen auf. Jugendliche fangen an, sich mit ihrer Wirkung auf potentielle romantische Partner zu beschäftigen und mit der Frage, wie sie ihre Geschlechtsrolle als Frau oder Mann jetzt und in Zukunft ausfüllen möchten.

  3. Bei den emotionalen Turbulenzen, die aus diesen Umbauprozessen resultieren, ist es für junge Jugendliche günstig, wenn ihnen gleichgeschlechtliche beste Freundinnen oder Freunde zur Seite stehen. Wichtig für die Jugendlichen ist, dass ihre Freunde ihre Vertraulichkeiten nicht weiter erzählen, wenn sie sich gerade über sie ärgern. Dies ist eine der Nagelproben – nur 50% der Freundschaften überlebt das erste Jahr nach einem Schulübergang.

 

Vita

(c) E.K. Schubert/Leuphana

(c) E.K. Schubert/Leuphana

 

Maria von Salisch ist Professorin für Entwicklungspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie ist Autorin von einschlägigen Büchern über Kinderfreundschaften, Emotionale Kompetenz sowie auch über Computerspiele.

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