2011 – Alt und Jung in mediatisierten Lebenswelten

Tagung beschäftigt sich theoretisch und praktisch mit dem Mediengebrauch der Generationen

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Der Frage, was Alt und Jung in und mit den Medien machen, gingen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen am Freitag, 2. Dezember 2011 in der Bayerischen Landeszentrale für neuen Medien (BLM) nach. Die 7. Interdisziplinäre Tagung des JFF – Institut für Medienpädagogik beschäftigte sich mit Fragen der Medienaneignung verschiedener Generationen sowie mit Potenzialen intergenerationeller pädagogischer Ansätze. In einer sehr regen Diskussion mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie pädagogischen Fachkräften wurden Potenziale und Zielsetzungen pädagogischer Projekte von Jung und Alt analysiert und neue Ideen entwickelt. Das rege Interesse der ca. 100 Teilnehmenden spiegelte die große Bedeutung des Themas wider.

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Knapp 100 Interessierte aus den verschiedenen, theoretischen und praktischen, pädagogischen und soziologischen Arbeitsfeldern waren in die BLM gekommen, um sich ausführlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mit der zunehmenden Mediatisierung von Alltagsleben und alltäglichen Tätigkeiten wie z.B. Geldüberweisungen oder Fahrkartenbestellungen wird deutlich, dass gerade auch ältere Menschen inzwischen mit Tätigkeiten am Computer vertraut sein müssen, um nicht in bestimmten Bereichen des Alltags und des Berufs außen vor zu bleiben. Ältere Menschen sind also angehalten, gar gezwungen, bestimmte Handlungsweisen erlernen, um nicht außen vor zu bleiben. Im Vergleich zu den jungen Menschen haben sich ältere Menschen die Medien unter anderen Vorzeichen und anderen Bedingungen angeeignet als die Jungen. Sie haben ihre eigenen Medienbiografien ausgebildet und gestaltet und sind nun wieder gefordert, mit gesellschaftlichen und damit medialen Entwicklungen Schritt zu halten. Für die junge Generation sind die multifunktionalen Medien Computer und Internet auf den ersten Blick selbstverständlicher Bestandteil ihres Alltags. In der Tagung wurde diese oberflächliche Darstellung von Jung und Alt einer differenzierten Betrachtung unterzogen. Nach den einleitenden Grußworten von Siegfried Schneider, dem Präsidenten der BLM, Prof. Dr. Bernd Schorb, dem Vorsitzenden des JFF e.V., und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) als Förderer der Tagung, eröffnete Prof. Dr. Jutta Ecarius von der Universität Köln den Reigen der Vorträge. Sie gab dem Publikum einen Einblick in die Mediensozialisationserfahrungen unterschiedlicher Generationen und zielte in ihren Ausführungen darauf ab, milieudifferenzierte Forschung zu Generationenbeziehungen und ihrem Medienhandeln zu forcieren.

Welchen Anteil haben die Medien daran, dass Menschen sich die Welt unterschiedlich erschließen und sie anders wahrnehmen? Amüsiert sich die junge Generation tatsächlich mit Neil Postman ‚zu Tode’, bestimmen die Medienangebote zumindest teilweise, was wir denken und tun – und was bedeutet das für die pädagogische Praxis aller Art? Das fragte Prof. Dr. Manuela Pietraß von der Universität der Bundeswehr anschließend und zeigte dabei auf, dass weniger die Altersunterschiede als die Unterschiede in den Lebenswelten von Jung und Alt in den Fokus gerückt werden sollte.

Nach diesen beiden theoretischen Inputs wurde es ganz praktisch: Prof. Dr. Bernd Schorb von der Universität Leipzig zeigte anhand des Leipziger Projektes Was heißt schon alt?!, dass das Medienhandeln der Generationen gar nicht unabhängig von- oder in Konkurrenz zueinander gesehen werden muss, sondern dass Jung und Alt gemeinsam mit- und voneinander viel mit und über Medien lernen können und dabei ganz neue, ‚intergenerationelle’ Welten entdecken können. Dies geht nicht immer konfliktfrei von Statten, denn „bei Generationenprojekten gibt es durchaus auch Streit, und zwar zwischen Alt und Jung, Alt und Alt, aber auch Jung und Jung. Wichtig für intergenerationelle Projekte ist, wie sich Junge und Alte miteinander verständigen und gemeinsame Erfahrungen machen können.“

Diese Erfahrung hatte auch Thomas Kupser vom JFF gemacht, der über ein Jahr lang generationenübergreifende Projekte in ganz Bayern im Rahmen des JFF-Projektes Generationen im Dialog angestoßen und umgesetzt hatte – und dabei erstaunliche, spannende und lohnenswerte Generationendialoge begleiten konnte. Sein Fazit lautet: „Am schwierigsten ist es, die Generationen überhaupt zusammenzubringen. Wenn sie sich begegnen, dann ist das Interesse aneinander sehr hoch. Insbesondere ist der Dialog auf Augenhöhe zentral, damit ein Austausch gelingen kann.“ Angeregt durch die Impulse der Referierenden folgte eine differenzierte und rege Podiumsdiskussion, die Geli Schmaus vom Bayerischen Rundfunk moderierte und bei der Jan Schmolling vom Bundeswettbewerb Video der Generationen, Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen, Prof. Dr. Caja Thimm von der Universität Bonn und Anke Könemann, Mitgründerin einer integrativen Montessori-Schule, Rede und Antwort standen. Viele unterschiedliche Ansätze und Ideen, Erfahrungen und Projekte wurden diskutiert und analysiert. Im Zentrum standen Fragen danach, wo die Potenziale, aber auch wo die Grenzen intergenerationeller Arbeit liegen. Als ein Fazit der Tagung waren sich Teilnehmende und Publikum einig darin, dass neben den Altersunterschieden der Generationen vor allem die unterschiedlichen Lebenswelten von Jung und Alt in den Blick genommen werden müssen, um den Generationen die Teilhabe an Gesellschaft zu ermöglichen.

Zum Abschluss wurde die Publikation Mediale Brücken präsentiert, das aus der Generationenarbeit des JFF in den vergangenen Jahren entstanden ist und viele Ansätze, Projektpläne, Hintergründe und Erfahrungen, aber auch Anleitungen und neue Anstöße bietet.

Die ersten Kommentare zu diesem neuen Buch waren sehr positiv und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen von diesem Tag Ideen und Anstöße, neue Pläne und Ziele und 250 Seiten gedruckte Erfahrungen mit nach Hause – bleibt nur zu hoffen, dass auch viele der Ansätze für den Dialog der Generationen weiterentwickelt und umgesetzt werden können.

 

Informationen zum Download:

Flyer Alt und Jung in mediatisierten Lebenswelten

Tagungsmappe Alt und Jung in mediatisierten Lebenswelten


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