2007 – Interkulturell mit Medien

Tagung zur Rolle der Medien für Integration und interkulturelle Verständigung am 30. November 2007

Interkulturell mit MedienInterdisziplinäre Fachtagung weist Medien besondere Bedeutung bei Integrationsprozessen zu, Informations-, Orientierungs- und Brückenfunktion, kaum herkunftsspezifische Unterschiede in der Mediennutzung Jugendlicher.

„Die Nutzung und aktive Gestaltung von Medien durch Kinder und Jugendliche – gleich welcher ethnischen Herkunft – hängt im Wesentlichen von sozio-ökonomischen Faktoren ab: Bildungsstand und Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht prägen maßgeblich den Umgang mit Medien, die Herkunftskultur setzt zusätzliche Akzente. In der Beschäftigung mit Medien liegen damit Chancen, Benachteiligung und Ausgrenzung aufgrund der ethnischen Herkunft zu überwinden. Insofern können Medien im besonderen Maße zur Integration beitragen“, so lautet ein Hauptbefund der interdisziplinären Fachtagung, die das JFF – Institut für Medienpädagogik in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und dem Deutschen Kinderhilfswerk am 30. November in München durchgeführt hat. Schirmherrin der Veranstaltung, die vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde, war Prof. Maria Böhmer, Staatsministerin beim Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Die wachsende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland verlange von beiden Seiten große Anstrengungen, um ein friedliches und verständnisvolles Miteinander zu ermöglichen. (Massen-)Medien können und müssen in diesem Prozess eine Schlüsselfunktion übernehmen. Als Instrument einer gelingenden Integration tragen sie zur gegenseitigen Verständigung, zum Abbau von Vorurteilen und zum gemeinsamen kreativen Handeln bei. Denn grundsätzlich unterscheiden sich Kinder und Jugendliche in ihrer Mediennutzung nicht durch die ethnische Herkunft: Medien dienen allen Heranwachsenden zur Unterhaltung, Orientierung, Information und Kommunikation. Der größte Unterschied liegt darin, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund auch herkunftssprachliche Angebote nutzen, um sich über ihr Heimatland zu informieren oder sich in ihrer Heimatsprache unterhalten zu lassen.

Die Medienpädagogik muss deshalb Konzepte anbieten und entwickeln, um alle jungen Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen. Prof. Helga Theunert, wissenschaftliche Direktorin des JFF: „In der Auseinandersetzung mit Medien bieten sich mehrere Chancen: Jugendliche bilden dabei ihre Identität und können sich in der aktiven Gestaltung mit anderen kreativ auseinandersetzen. Gleichzeitig eröffnet der Erwerb von Medienkompetenz gerade bei bildungsfernen und Migrantenjugendlichen die Chance auf mehr Teilhabe und Partizipation an der Gesellschaft. Um diese Möglichkeiten im medienpädagogischen Bereich auch effektiv nutzen zu können, bedarf es aber einer intensiven Forschung zu Spezifika, Stärken und Problemanzeigen des Mediengebrauchs in Migrantengruppen.“

Ansätze und erfolgreiche Projekte der rezeptiven und aktiven Medienarbeit gebe es zwar – große Potenziale liegen aber noch brach, weil nicht zuletzt Mittel und der politische Wille zur Umsetzung fehlen. Ähnlich wie die grundsätzliche Bedeutung von Medien im Alltag von Menschen lange Zeit unterschätzt worden war, so werden deren Möglichkeiten bei der Integration von Migrantengruppen bislang noch zu wenig beleuchtet und gefördert, betonten Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, und Prof. Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien.

Einigkeit bestand auf der Tagung, dass medienpädagogische Befunde künftig stärker in die Ausbildung von pädagogisch Tätigen einfließen müssen. Denn neben den vielen Chancen sollten auch mögliche Gefahren – beispielsweise eines Dauermedienkonsums – bewusst gemacht werden und die Beschäftigung mit Medien hin zur aktiven Auseinandersetzung und zum selbsttätigen Produzieren gelenkt werden. Das Internet mit entsprechenden Foren, Portalen und direkten Kommunikations- und Präsentationsplattformen verdient dabei besonderes Augenmerk.
Mit einer größeren Anzahl von Verantwortlichen mit eigenem Migrationshintergrund bei den Anbietern von Medieninhalten wurde zudem die Hoffnung verbunden, dass weniger über angebliche Defizite von Migrantengruppen berichtet wird – statt dessen deren Lebenswirklichkeit als konstituierender Teil der gesellschaftlichen Realität betrachtet wird.

Davon unbenommen muss der in Deutschland besonders starke Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufgelöst werden. An dieser Stelle wird schließlich doch ein Zusammenhang zwischen Migrantenstatus und Mediennutzung deutlich: Menschen mit Migrationshintergrund zählen aufgrund struktureller Benachteiligungen zu den so genannten bildungsbenachteiligten Schichten, deren Medienumgang oft problematisch ist. Gerade die aktive Medienarbeit kann dafür sorgen, dass diese Benachteiligung überwunden und eine Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen ermöglicht wird. Medien haben damit eine soziale und integrative Dimension.

 

Informationen zum Download:

Flyer Interkulturell mit Medien

Publikation zur Tagung:

Interkulturell mit Medien. Interdisziplinäre Diskurse Band 3


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